Savills European Travel Megatrends

17 Juli 2017

2030: Wohin geht die Reise, Europa?

Urlaub zwischen Atlantik und Ural boomt: Mit rund 490 Millionen entfielen 2016 allein über 40 Prozent der internationalen Touristenankünfte weltweit auf die EU-Mitgliedsstaaten. Bis 2030 wird ein Wert von 557 Millionen erwartet – ein Plus von knapp 14 Prozent

Die Tourismusbranche in Europa sieht sich in Zukunft nicht nur einem weiteren Wachstum gegenüber, sondern ebenso neuen Mustern in ihren Zielgruppen. Während infolge des demographischen Wandels immer mehr sogenannte Silver Traveller (65+) die Welt erkunden, prägen Social Media und innovative Technologien das Reiseerleben der Single und Business Traveller. Hinzu kommt ein wachsender Bedarf an Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein: Der Ökotourismus erreicht parallel zu den Veränderungen durch die Digitalisierung einen immer höheren Stellenwert auf dem Markt. Das international tätige Immobiliendienstleistungs-Unternehmen Savills untersucht in dem aktuellen Report „European Travel Megatrends“ unterschiedlichste Aspekte, die den Hotel- und Tourismussektor bis 2030 maßgeblich beeinflussen werden. Die Konsequenzen der differenzierteren Zielgruppenbedürfnisse betreffen auch die Nachfrage nach geeigneten Immobilien für den Tourismus.

Bis 2030 müssen sowohl die Tourismusschaffenden als auch Projektentwickler im Gastronomie und Tourismussegment einen neuen Spagat beherrschen. Mit dem wachsenden Touristenaufkommen steigt gleichzeitig die Spezialisierung der Zielgruppenbedürfnisse. Heutige Nischenprodukte können dadurch laut Savills eine vielversprechende Anlage sein. Die Kombination verschiedener Konzepte – etwa nachhaltiger Energiekonzepte, Mischnutzung sowie komplett neuer Unterkunftsideen wie Serviced Apartments für gleich mehrere Nutzergruppen – eröffnen laut den Experten von Savills insgesamt einen neuen Markt innerhalb der Assetklasse Hotel & Tourismus.

Vielfalt an Destination & Zielgruppen im Reiseziel Europa
Europa ist und bleibt auch zukünftig das beliebteste Reiseziel. Die gut ausgebaute öffentliche und touristische Infrastruktur sorgt bis zum Jahr 2030 für die Etablierung bislang eher weniger frequentierter Reiseziele neben den nach wie vor existierenden Reise-Hot-Spots wie etwa Metropolen. Grund dafür ist das wachsende und stärker ausdifferenzierte Reisebedürfnis gleich mehrerer Zielgruppen: Neben den Silver Travellern aus der EU, Asien und dem Mittleren Osten, die im Vergleich zu den heutigen Pendants gesundheitlich und finanziell besser aufgestellt sind, werden die heutigen Millenials und Generation Z auf der Suche nach individuellen Zielen sein, die ihren Vorstellungen entsprechen: „Junge Reisende möchten Abenteuer und unvergessliche Erlebnisse, um den Freizeitwert zu maximieren. Unpersönliche Hotels und überlaufene Tourismusgebiete gehören daher nicht zu ihren Favoriten. Die weitgereisten Baby-Boomer setzen hingegen auf Komfort sowie aktive Urlaubsgestaltung und möchten hierbei keine Kompromisse eingehen“, erläutert George Nicholas, Global Head of Hotels bei Savills. „Unterkünfte müssen sich deshalb darauf fokussieren, welche einzigartigen Dienstleistungen sie offerieren und wie sie ihr Angebot so anpassen und zuschneiden können, dass sowohl der 22-jährige Alleinreisende als auch das 65 Jahre alte Paar auch 2030 noch zu ihren Gästen gehören.“ Das passende Hotel dafür vereint im Angebot nicht nur alternative Unterkünfte wie Serviced Einzelapartments und klassische Zimmer, sondern wartet ebenso mit einem umfangreichen Katalog an Aktivitäten und Touren durch ausgebildete Guides aus. Die Ausrichtung des Hotels orientiert sich dabei an seinem Standort und setzt individuelle Akzente – von Haute Cuisine mit lokalen Produkten und einer individuellen Ausstattung bis zur Anbindung des Hauses als kultureller Treffpunkt an die Umgebung.

Gesichtserkennung beim Check-in und energieautonome Hotels
Die wachsende Nachfrage von Projektentwicklungen für derart individuelle Unterkünfte als Erschließung oder Ausbau neuer Destinationen stellt einen Teil neuer Investmentopportunitäten in der Assetklasse Hotel dar. Ein weiterer ergibt sich aus den einzelnen Reisesegmenten, welche ebenfalls eine Weiterentwicklung der Unterkunftskonzepte einfordern. Ökotourismus ist mit 20 bis 34 % Steigerung pro Jahr der am schnellsten wachsende Sektor; bis 2030 wandelt sich dieser von der Alternative zur Lebensart – Ökohotels werden nicht mehr außergewöhnlich, sondern allgegenwärtig sein. Rund 73 % der Millennials und Generation Z sind bereits jetzt dazu bereit, mehr zu zahlen, um nachhaltig zu reisen. Zum Vergleich: Bei den Baby-Boomern sind es etwa 51 %. Um auch diese Zielgruppe zu gewinnen, müssen Hotels nachweisen, dass sie ihren CO²-Ausstoß minimieren, ihre eigene Energie erzeugen, Fairtrade-Produkte verwenden und lokale Anbieter unterstützen – und das alles, ohne beim Komfort Kompromisse einzugehen. Gerade letzterer jedoch wird durch die technologischen Möglichkeiten definiert. Das Gros der Reisenden im Jahr 2030 ist geprägt durch die Vernetzung und Globalisierung der Welt, Social Media und ständiger Erreichbarkeit. In den Hotels wird neben der Selbstverständlichkeit vom Internetzugang beispielsweise Gesichtserkennungs-Software zukünftig genutzt, um etwa Check-in-Prozesse zu beschleunigen. 3D-in-Motion-Technologien und VR Angebote geben allen voran Geschäftsreisenden die Möglichkeit, in Echtzeit mit Kollegen und Geschäftspartnern zu interagieren. Zudem werden Treueprogramme Gästeinformationen sammeln, damit sichergestellt werden kann, dass die individuellen Präferenzen berücksichtigt und Aufenthalte personalisiert werden.

Alice Marwick, Associate European Research bei Savills: „Ökotourismus wird in den nächsten Jahrzehnten zum Mainstream und daher nicht zu umgehen sein. Die Hotels, die in direkter Konkurrenz zu Gasthäusern der gleichen Preisklasse versäumen, umweltfördernde Maßnahmen zu integrieren und offenzulegen, werden sich langfristig nicht mehr am Markt beweisen können. Angesichts der fortlaufenden Digitalisierung der Tourismusbranche müssen sich Hotels außerdem entscheiden, welche Seite der sich auftuenden Schere sie einnehmen möchten. Entweder sie sind webtechnisch voll ausgestattet und durchgehend vernetzt, oder sie fungieren als Wegweiser und bieten einen Urlaub unplugged, fernab von Social Media, FaceTime und Co.“

Das urbane Hotel diffundiert mit der Arbeits- und Lebensumwelt
Die Anzahl Alleinreisender wird alters- und generationsunabhängig zunehmen. Für die Gruppe ist es unwesentlich, ob sie geschäftlich oder privat unterwegs ist: Im urbanen Raum fordern Sie kommunikative Flächen zum Austausch ein, sowohl für den Beruf als auch für die Freizeit. Hotellobbys dienen deshalb vermehrt nicht mehr nur als Entspannungs- und Warteraum, sondern können auch als großflächige, flexible Working Spaces genutzt werden. Mit einem erweiterten Speise- und Getränkeangebot machen die Empfangssäle Bürodienstleistern Konkurrenz. Um der Nachfrage nach Gemeinschaftsflächen gerecht zu werden, verkleinert sich vielerorts die Größe der Hotelzimmer, ohne bei einer hochwertigen Ausstattung zu sparen. Alternative Unterkünfte werden in direkter Konkurrenz zu Home-Sharing-Angeboten zunehmen.

Savills World Research Europe - Megatrends Travel (PDF) 

 
 

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