Generationswechsel oder Gesellschaftswandel?

05 Oktober 2016

Digitales Arbeiten überall und jederzeit, nachhaltige Büroimmobilien in zentraler urbaner Lage sowie Partizipation an der Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes – das sind die großen Wünsche und Vorstellungen der Arbeitnehmer, -geber und Studierenden vom Büro der Zukunft.

Dass die Generationen X und Y darin oftmals eine große Schnittmenge aufweisen, deutet auf einen gesellschaftlichen Wandel der Einstellungen zur Arbeit allgemein und speziell im Büro hin. In einer Studie vom international tätigen Immobiliendienstleistungs-Unternehmen Savills und der Unternehmensberatung Consulting cum laude GmbH konnten pauschale Urteile über die unterschiedlichen Generationen durch dezidierte Tendenzen und individuelle Profile der Arbeitnehmer von heute und morgen aufgeklärt werden.

Das visionäre Büro der Zukunft vermag die kühnsten Vorstellungen von Digitalisierung, Urbanität und Nachhaltigkeit umzusetzen. Gleichzeitig sollte es sich kaum vom gegenwärtigen klassischen Modell mit Schreibtisch, Festnetztelefon und Drucker unterscheiden – Wie die verschiedenen Vorstellungen des Büros der Zukunft in den Köpfen der Generationen X und Y tatsächlich aussehen, hat die Vergleichsstudie „Office of the future?“ herausgestellt. „Anstelle von anspruchsvoller Ausstattung, modernem Design und Innovationen in der gesamten Büroimmobilie, sind sich die Befragten von Generation X und Y einig in einem verhaltenen, konservativen Bild vom Büro. Dieses Bild ist deutlich geprägt von einem gesellschaftlichen Bewusstsein, das nach Nachhaltigkeit, Sicherheit und Sinnhaftigkeit strebt“, berichtet Marcus Mornhart, Managing Director und Head of Agency Germany bei Savills. Roman Diehl, Geschäftsführer der Consulting cum Laude GmbH, ergänzt: „Dass beide Generationen sich eigentlich näherstehen, als es uns bisweilen reißerische Portraits der revolutionären, digitalen Generation Y vermittelt haben, verdeutlicht die unterschiedlichen auf das Berufsleben bezogene Profile von Menschen im Kontext einer gesellschaftlichen Entwicklung. Es gab und gibt auch weiterhin den visionären Selbstoptimierer neben dem eher karriereuninteressierten Lebenskünstler, doch sind beide heute viel bewusster über die Vereinbarkeit und Sinnhaftigkeit von Job und Privatleben.“

Zentral, urban und mit fließendem Übergang in die Freizeit
Allgemein gilt für alle Befragten: Das Büro der Zukunft liegt im Herzen einer Großstadt mit einem umfassenden Service- und Dienstleistungsangebot in unmittelbarer Nähe. 78 % aller Befragten wollen Einkaufsmöglichkeiten des täglichen Bedarfs in fußläufiger Entfernung haben. Ebenso wichtig sind Parks und Grünflächen für 70 %. Immerhin die Hälfte der Befragten hält außerdem Cafés und Restaurants in der Nachbarschaft vom Arbeitsplatz für wichtig. Im und um das Büro herum lassen sich in dicht besiedelten Gebieten mit entsprechender Infrastruktur alltägliche Besorgungen und private Termine erledigen, ohne dafür zwischen Arbeitsplatz und Zuhause hin und her zu pendeln.

Das urbane Umfeld einer Büroimmobilie birgt außerdem zusätzliche Vorteile, die in Hinblick auf das wachsende Verkehrsaufkommen und die steigende Flexibilität entscheidend sind. Die Anzahl von Carsharing-Kunden hat sich in Deutschland im Zeitraum von 2011 bis 2015 vervierfacht: 1,26 Millionen Menschen greifen mittlerweile auf den Service zu. Laut dem TÜV Rheinland können es bis zum Jahr 2020 sogar 3 Millionen werden. Ähnlich verhält sich der Trend beim Bikesharing. Während gegenwärtig nur 5 % der Befragten mindestens einmal in der Woche ein shared bike für den Weg zur Arbeit nutzen, würden dies in Zukunft gern 35 % tun. Analog dazu greifen 91 % der Befragten derzeit gar nicht auf das Carsharing-Angebot für den Arbeitsweg zurück, obwohl über die Hälfte es gerne mindestens einmal in der Woche täte. Das prognostizierte Wachstum beider Angebote ist demnach im Einklang mit den Wünschen der Menschen, jedoch nicht mit der gelebten Realität. Die Nutzungsgebiete von shared bikes und cars beschränken sich in den Metropolen oftmals nicht auf das gesamte Stadtgebiet und die Anzahl verfügbarer Räder und Autos ist noch zu gering, um sich vor oder nach der Arbeit auf deren Verfügbarkeit zu verlassen. So bleibt für 40 % das beliebteste und für 50 % das tatsächlich täglich genutzte Verkehrsmittel das eigene Auto. Da die Anzahl von Berufspendlern in Zukunft weiter steigt und bereits jetzt ein Fünftel mehr als 25km für eine Wegstrecke zurücklegt, ist ein zentraler urbaner Standort mit guter Anbindung umso wichtiger. Rund 60 % wollen nicht länger als 30 Minuten zum Arbeitsplatz benötigen, unabhängig davon wie sie den Arbeitsweg tatsächlich zurücklegen. Je jünger die Befragten sind, desto mehr werden auch längere Wege akzeptiert.

Nachhaltig und Identitätsstiftend
Reine Bürostädte, die weiter außerhalb von Stadtzentren als Mononutzungsstruktur angesiedelt sind, werden nicht nur durch Nachteile in der infrastrukturellen Anbindung unattraktiver. Mischnutzung nach dem Modell „Stadt der kurzen Wege“ trägt zur einer nachhaltigeren Verwendung der Büroimmobilien bei und leistet dabei genau die Annehmlichkeiten, auf die beide Generationen heute nicht mehr verzichten wollen. Nachhaltigkeit ist darüber hinaus ein wichtiger Faktor geworden: 61 % der Befragten finden eine nachhaltige Bauweise des Bürogebäudes (äußerst/sehr) wichtig. Diesem Wunsch entspricht die Zunahme von entsprechend zertifizierten Neubauten. „Mit dem Wunsch nach umweltbewussten Immobilien geht der Wunsch nach Sinnhaftigkeit und Identitätsstiftung einher. Wir haben festgestellt, dass im „War of Talents“ Unternehmen ganz konkret versuchen, mit nachhaltigen Bürokonzepten und partizipatorischen Möglichkeiten an deren Gestaltung Mitarbeiter an die eigene Firma zu binden“, so Diehl. Ein Beispiel dafür ist der Sportartikelhersteller Adidas, der in einem neuen Bürogebäude 300 Mitarbeiter verschiedene Ausstattungen und Konzepte vom Arbeitsplatz im Büro testen lässt. Nach ihrer Entscheidung für eine der Varianten für insgesamt 20.000 Mitarbeiter umgesetzt. Das Büro dient hier als Markentransport für ein soziales Bewusstsein und Wertschätzung jeder einzelnen Persönlichkeit. Der Wunsch zur Gestaltung der eigenen Arbeitsbedingungen beschränkt sich allerdings konkret auf die Regelung von Temperatur (90%), Licht (87%) und dem eigenen Schreibtisch (73%). 65 % empfinden eine Beteiligung an der Auswahl des Mobiliars wichtig bis äußerst wichtig.

Work-Life-Balance nur mit getrennten Bereichen
Über 57 % der Befragten möchte bis zu der Hälfte der Arbeitszeit in den eigenen vier Wänden verbringen, obwohl für eine überwältigende Mehrheit von 95% ein fester Arbeitsplatz im Büro (äußerst/sehr) wichtig ist. In Anbetracht der mit 26 qm international höchsten Bürofläche pro Kopf und dem sinkenden Angebot bei steigender Nachfrage von Büroimmobilien in zentraler Lage wird es zukünftig schwer werden, diesen Wunsch zu erfüllen. Entsprechend dem gestiegenen Wunsch nach der Home-Office Option sind auch Räumlichkeiten für die Freizeit der Mitarbeiter weniger gefragt: Die Top 3 der (äußerst/sehr) wichtigen Räumen bleiben die bekannte Tee-/Kaffeeküche (90%), Konferenz- und Meetingräume (83%) und Räume zum ungestörten Arbeiten für Einzelpersonen (80%). Fitness- und Sporträume halten 62% für unwichtig, Ruhe und Schlafräume rund 56 %. Die Generationen X und Y unterschieden sich in diesen Präferenzen nur geringfügig. Auch auf die Digitalisierung und auf die Dienstleistungen wie Carsharing oder Videotelefonie per Smartphone, die durch sie ermöglicht werden, antwortet die Generation Y fast wie ihre Vorgänger. Allerdings zeichnet sich ein klarer Trend ab: Ein Handy empfinden knapp 80% der Generation Y (äußerst/sehr) wichtig. Bei der Generation X sind dies nur knapp 60%. Ebenso verhalten sich die Aussagen zur Wichtigkeit eines Laptops mit 80 % der Generation Y und nur 65 % der Generation. Auch andere moderne Medien wie Tablets sind für die jüngeren Arbeitnehmer für wichtiger.

„Obwohl die Befragten gern ein Büro in zentraler Lage mit allen Annehmlichkeiten einer Großstadt favorisieren, können Sie sich eine konkrete Realisierung von Freizeitausgleich und Arbeit in einem Gebäude kaum vorstellen. Hier zeigt sich, dass innovative Visionen und Ideen vom Büro der Zukunft noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen sind. Offenbar fehlt bisweilen ein Diskurs, in dem Mitarbeiter, Unternehmensführer und Projektentwickler gemeinsam über Möglichkeiten und Chancen für das Büro der Zukunft diskutieren. Wie vermuten unter anderem deshalb das wachsende Verlangen nach der Arbeit von Zuhause aus“, erklärt Mornhart.

Eine sagenumwobene Generation Y gibt es nicht
„Die Hauptannahme, dass Generation X und Y fundamental unterschiedliche Vorstellungen vom Büro der Zukunft haben, hat sich nicht bestätigt“, resümiert Diehl. „Genau deshalb ist es falsch, weiter über eine Generation, die die morgige Arbeitswelt bestimmen wird, zu diskutieren, wenn diese von ähnlichen Profilen und gleichzeitig grundsätzlich von der Individualität jedes Menschen geprägt ist wie auch schon die vermeintliche Generation X“, stimmt Mornhart zu. Die überraschend konservativen Ergebnisse der Studie konnten generelle gesellschaftliche Trends wie Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance und auch voranschreitende Einflüsse von technologischen Innovationen handfest machen. „Das Ausbleiben von kühnen und gleichzeitig konkreten Visionen vom „Office of the future“ ist für uns das Signal, stärker über das Verhältnis der Menschen zu ihrem Arbeitsplatz zu diskutieren und deren Einfluss auf die Zukunft des Büros deutlich zu machen. Nur dieser Weg ist für alle Beteiligten am erfolgversprechendsten“, betonen beide übereinstimmend.

Die direkte Befragung von 1250 Arbeitnehmer, -geber und Studierenden beider Generationen wurde von fünf Hypothesen sowie eine Metahypothese zu wahrscheinlichen Erwartungen, Wünschen und Vorstellungen vom Büro der Zukunft geleitet, die auf Grundlage von Analysen, Handlungsdaten und Marktbeobachtungen von Savills und Consulting cum laude erstellt wurden.

"Office of the future" - Poster (JPG)

Sie haben Interesse an unserer Vergleichsstudie zum Büro der Zukunft aus Sicht der Generation X & Y „Office of the future? Bitte senden Sie eine E-Mail mit Ihren vollständigen Kontaktdaten an: Marcus Mornhart (mmornhart@savills.de) Gern senden wir Ihnen Ihr Exemplar per Post zu.

 
 

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