Die Stadt der kurzen Wege

Die Stadt der kurzen Wege - ein Traum?

Die Stadt der kurzen Wege – ein Traum?

Der Bäcker um die Ecke, das Büro einen Katzensprung entfernt und zur U-Bahn nur einmal über die Straße – der Traum der perfekten Stadt ist der Traum von kurzen Wegen. Attraktive Angebote für quasi alle Lebensbereiche sind hier binnen Minuten verfügbar. So ist es wenig verwunderlich, dass immer mehr Menschen in Städten leben wollen, die neben allen infrastrukturellen Vorteilen auch meist die besseren beruflichen Perspektiven bieten.

Nach einer von uns in Auftrag gegebenen Erhebung wünschen sich gegenwärtig mehr als 61% der Generationen X und Y einen Arbeitsweg von maximal 30 Minuten Dauer. Dafür müssen Wohn- und Arbeitsraum zusammenrücken. Nicht zuletzt um Arbeit und Freizeit kosten- und zeiteffizienter verbinden zu können. Dies stellt in Städten, die sich vor mehr als 30 Jahren dazu entschieden haben, dass Arbeiten und Wohnen nicht zusammengehören, eine echte Herausforderung dar.

Eine Funktionstrennung von Wohn- und Arbeitsvierteln wird im Zeitalter der Informationsgesellschaft obsolet. Heute wollen wir arbeiten, wohnen und unsere Freizeit genießen, ohne große Distanzen zurücklegen zu müssen. Unsere Gesellschaft hat sich aufgrund der Digitalisierung mit Smartphone und Co. an eine eng vernetzte Welt gewöhnt. Große internationale Metropolen wie New York City, London oder Paris boten seit jeher Wohn- und Arbeitsraum in einem durchmischten, engmaschigen urbanen Geflecht. Andere Städte wiederum, etwa Brasilia oder auch deutsche Großstädte wie Frankfurt am Main und Hamburg, setzten räumliche Funktionstrennung zielstrebiger um. Dabei wurde in der Vergangenheit vor allem auf die Konsequenzen von Industrie und Gewerbe auf die unmittelbare Umwelt eingegangen. Es entstanden teilweise Stadtzentren, die außerhalb der Geschäftszeiten zu verlassenen Geisterorten wurden. Im „Urbanen Gebiet“ sollen Arbeits-, Wohn- und Erholungsflächen gesetzlich als Mischnutzungskonzepte unter einem Dach zusammenkommen. Wird uns also die Quartiersentwicklung dank einer neuen Baurechtskategorie den Wunsch nach der Stadt der kurzen Wege erfüllen?

Hafen City Hamburg

 

Das Urbane Gebiet als Maßnahme für gegenwärtige und zukünftige Stadtentwicklung ist vor allem der Wohnungsnot in deutschen Großstädten geschuldet. Man kann diese Kategorie so auffassen, als versuche sie lediglich die strengen Gesetze zur Schaffung von Wohnraum (bspw. Bebauungsdichte, Lärmbelastung) durch einen neuen Typ Stadtviertel aufzuweichen. Ehemalige Industriestandorte in Innenstadtnähe wie die Areale großer Brauereien könnten so von Wohnungsbau und verschiedenen Gewerbenutzungen neu erschlossen werden. Doch gerade in solchen Projekten liegt die Chance, nicht nur Wohnraum, sondern ein nachhaltiges Stück Stadt zu schaffen. Beispiele dafür wären die Quartiersentwicklung in Hamburgs HafenCity, das Europaviertel sowie das Deutsche-Bank-Areal in Frankfurt. Alle kennzeichnet ein Mix aus Büro, Einzelhandel und Wohnraum, der das Viertel 24/7 beleben soll. In der Planung und Konzeptionierung solcher Quartiere liegt die größte Herausforderung für Städte, Entwickler und Investoren, die viel Geduld und gute Kommunikation beweisen müssen. Dann kann der Traum der kurzen Wege Wirklichkeit werden.

Das Urbane Gebiet
Im März 2017 wurde die neue Baugebietskategorie „Urbanes Gebiet“ beschlossen. Der Entwurf geht zurück auf die 2014 von der EU verabschiedeten Richtlinien zur Stärkung des neuen Zusammenlebens in der Stadt.

Mischnutzung
Mischnutzungskonzepte beschreiben Projektentwicklungen, die auf mehr als ein Nutzungssegment abzielen. Im Zuge der Mietpreis- und Flächenentwicklung vor allem in den Metropolen werden sie zunehmend attraktiver: Bei Objekten der Baujahre 2015/2016 liegt der Anteil der Nicht-Bürofläche an der Gesamtfläche bei 19 Prozent, bei Objekten, die 2020/2021 fertiggestellt werden liegt dieser schon bei 32 Prozent.

Über diesen Blog

In unserem Blog schreiben wir über aktuelle Trends sowie Entwicklungen auf den deutschen und internationalen Gewerbeimmobilienmärkten und bloggen zu Themen aus der gesamten Savills-Welt.

Savills auf Twitter

Folgen Sie uns auf Twitter

Schreiben Sie uns bei Fragen oder Anregungen zu unserem Blog.

Schreiben Sie uns