Wünsche im Wettbewerb

Wünsche im Wettbewerb: Der Spagat der Unternehmen im War for Talents

Wünsche im Wettbewerb: Der Spagat der Unternehmen im War for Talents

Wie schaffen wir es, die Wünsche der Bürobeschäftigten nach Ruhe, eigenem Schreibtisch oder sogar eigenem Büro und Home-Office mit dem Streben der Unternehmen nach mehr Profit und Flächeneffizienz unter einen Hut zu bringen? Im gegenwärtigen „War for Talents“ müssen sich Unternehmen gleich mehrfach beweisen: Zum einen im Umgang mit steigenden Kosten für die Büroflächen und zum anderen im Austausch mit den Mitarbeitern.

Der Büroleerstand in den deutschen Top 6 Metropolen hat sich seit 2010 fast halbiert: 2017 wird die Leerstandsrate im Durchschnitt auf circa 5 % fallen. Währenddessen bleibt die Neubauentwicklung überschaubar, was die Mieten zwangsläufig auf neue Rekorde klettern lässt. Flächen in den Lagen, die gute infrastrukturelle Anbindung besitzen und gleichzeitig eine Nachbarschaft von beispielsweise Gastronomie oder Parks gewährleisten, werden knapp und teuer. Doch genau diese Standorte braucht ein Unternehmen, um die wählerischen Talente von Morgen anwerben und halten zu können.

Auf der anderen Seite fordert die Flächenknappheit effiziente Nutzungskonzepte, um einen Standort im globalisierten Wettbewerb rentabel halten zu können. Deutschland ist eines der Länder, das im internationalen Vergleich mit 26 m² einen der höchsten Büroflächenverbräuche pro Kopf aufweist – zum Vergleich: In London sind es etwa 10 m². Das persönliche Büro für jeden Mitarbeiter ist schon heute kaum mehr realisierbar. Vielmehr braucht es eine Bürolandschaft, die flexibel nutzbar ist: Sie muss Orte für ungestörtes Arbeiten ebenso wie Plätze zum Austausch bieten, wenn große Teile der Arbeit schon von zuhause erledigt werden können. Die Büroimmobilien müssen den aktuellen Arbeitstätigkeiten durch räumliche Vielfalt und moderne Technologie gerecht werden. Cloud-Lösungen und innovative Kommunikationskonzepte müssen der Standard sein, sodass die Mitarbeiter sich mit Laptop und Smartphone frei im Arbeitsalltag bewegen können.

Die entscheidende Herausforderung für die Unternehmen ist meiner Meinung nach der Dialog: Sie müssen ihre Mitarbeiter mitnehmen auf dem Weg ins Büro der Zukunft. Andernfalls verlieren sie die wichtigen Köpfe von Morgen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit. 65 % der Arbeitnehmer haben bereits den Wunsch, an der Bürogestaltung mitzuwirken. Ein gutes Beispiel für Partizipation als potentes Mittel im War for Talents ist der Sportartikelriese Adidas: In einem neuen Bürogebäude lässt Adidas 300 Mitarbeiter verschiedene Ausstattungen und Bürokonzepte testen und setzt deren bevorzugtes Arbeitsplatzmodell dann für insgesamt 20.000 Mitarbeiter um.

Firmen wie Cisco in Kalifornien oder BMW und Microsoft in München beweisen das Umdenken in der Arbeitswelt schon heute. Bei ihnen gibt es gar keine Pflicht mehr, im Büro zu erscheinen. Mitarbeiter vereinbaren mit ihrem Vorgesetzten Arbeitspakete und Bearbeitungszeiten und treffen sich nur noch zum Austauschen im Büro. Wer aber im Büro arbeiten möchte, kann dies natürlich gerne tun. Das heißt, solange die technischen Standards und die Lage gesetzt sind, fällt den Unternehmensführern lediglich die Aufgabe zu, die Angestellten an das Büro von Morgen heranzuführen. Dann kann der Spagat zwischen Profitanforderungen und Mitarbeiterwünschen gelingen.

 

Office of the Future?:

Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Consulting Cum Laude haben wir im Rahmen der Studie Office of the Future? 1250 Bürobeschäftigte zu Wünschen, Bedürfnissen und Vorstellungen, aber auch dem gegenwärtigen Status Quo im Büro befragt. Verschiedene Themenbereiche wie Ausstattung, Mobilität und Partizipation wurden dabei behandelt. Das Ergebnis verblüfft: Die Befragten der Generationen X und Y sind sich in vielen Ansichten ähnlicher als zunächst angenommen. So wünschen sich beispielsweise 60 Prozent, die Hälfte ihrer Arbeitszeit zuhause im Home-Office zu verbringen. Arbeitnehmer, die etwa im Jahr 1965 geboren sind (Generation X), unterscheiden sich darin überhaupt nicht von ihren gut 30 Jahre jüngeren Kollegen (Generation Y).

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