Wünsche im Wettbewerb

Immobilien-Boom mit Störgefühlen

Immobilien-Boom mit Störgefühlen

Er läuft und läuft und läuft und läuft…womit einst ein deutscher Automobilhersteller warb, das gilt heute für den hiesigen Immobilienmarkt:

Er bietet Stabilität und Verlässlichkeit. Was damals die Menschen in die Autohäuser lockte, treibt heute Immobilieninvestoren aus aller Welt nach Deutschland. Und mit jeder Krise und jedem Unruheherd anderswo in der Welt – egal, ob Euro-Krise, Nahost-Konflikt oder Brexit – glänzt der deutsche Stabilitätsanker nur umso heller.

Das Resultat ist ein noch nie dagewesener Aufschwung am Immobilien-Investmentmarkt. Knapp 20 Mrd. Euro wurden bis einschließlich Mai dieses Jahres in Gewerbeimmobilien investiert und für das Gesamtjahr erwarten wir ein Volumen von mehr als 60 Mrd. Euro – das wäre nicht nur ein neuer Rekord, sondern auch das erste Mal, dass das Transaktionsvolumen drei Jahre in Folge die Marke von 50 Mrd. Euro übersteigt.

Das sind Zahlen, an die wir uns erst noch gewöhnen müssen. Apropos: Bei den Anfangsrenditen haben wir gewohntes Terrain ohnehin schon längst verlassen und erleben von Quartal zu Quartal einen neuen Tiefstand. Die außergewöhnlich lange Dauer des Aufschwungs und sein besonderes Ausmaß mögen erklären, warum er bei vielen von uns durch Störgefühle begleitet wird und wir nach jedem Rekord aufs Neue denken: „Jetzt kann’s ja nicht mehr besser werden“.

 

Sicher, auch der aktuelle Zyklus wird eines Tages enden. Aber abgesehen von unseren zunehmenden Störgefühlen spricht nach wie vor wenig dafür, dass dieser Zeitpunkt schon erreicht ist. Zwar neigt sich die Zeit der ultraexpansiven Geldpolitik ihrem Ende zu, doch selbst in den USA wird es wohl noch bis zu Beginn des nächsten Jahrzehnts dauern, bis wieder ein „normales“ Zinsniveau erreicht sein wird.

In der Eurozone werden noch einige Jahre mehr vergehen. Und selbst steigende Zinsen müssen der Attraktivität von Immobilien nicht schaden. So stiegen die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen in den letzten zwölf Monaten um mehr als 30 Basispunkte. Die Anfangsrenditen deutscher Gewerbeimmobilien veränderten sich im selben Zeitraum in ähnlicher Größenordnung – aber in die umgekehrte Richtung. Trotz gestiegener Anleiherenditen sind Investoren offensichtlich bereit, noch höhere Preise für Immobilien zu bezahlen. Das zeigt:

Die Phase der zinsinduzierten Immobilieninvestitionen ist abgelöst worden durch eine Phase der mietwachstumsinduzierten Investitionen. Immobilien-Boom, 2. Halbzeit sozusagen. Angesichts wachsender Städte und des damit einhergehenden steigenden Flächenbedarfs, ohnehin schon geringen Leerständen und einer immer noch unterdurchschnittlichen Bauaktivität dürfte dieser Impuls ähnlich stark wirken wie zuvor die Niedrigzinsen. Die Störgefühle werden dennoch bleiben. Womöglich länger als wir es bislang für möglich hielten.

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