Begegnungen im Einzelhandel

Begegnungen im Einzelhandel

Ist Deutschland over-shopped? Knapp 500 Shopping-Center gibt es hierzulande, insgesamt über 124 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche. Im europäischen Vergleich rangiert Deutschland damit auf Rang 5 mit einer Fläche von 1,44 m2 pro Kopf hinter den Spitzenreitern Belgien, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz. Tendenz: Stagnation.

Bisher stehen die Einzelhändler – vor allen aus den Branchen Textil, Elektronik oder Sportartikel – vor der immer weiterwachsenden Herausforderung, dass der boomende Online-Handel immer mehr Umsatz aus der Filiale ins Netz hievt. Die Wachstumsprognosen für den gesamten Einzelhandelsumsatz vom deutschen Handelsverband sind maßgeblich vom Handel im Internet getrieben – 50 Prozent des zu erwartenden Wachstums dieses Jahr kommen durch E-Commerce zustande. Diese Entwicklungen wirken sich nachhaltig sowohl auf die Mieten als auch die Preise in der deutschen Handelsimmobilienlandschaft aus. Doch stehen wir wirklich vor dem Bild eines gesättigten Marktes, der durch die fortschreitende digitale Transformation buchstäblich an wertvollem Boden verliert? Die Antwort ist wie so oft verknüpft mit einem Einwand: Nein, aber…

 

Zum einen beobachten wir immer mehr, wie das Konzept erfolgreicher Online-Retailer auf der Fläche erweitert wird. Nach dem Motto „clicks & bricks united“ entstehen Showrooms, Abhol- und Rückgabe-Stationen von im Internet bestellter Ware sowie Shops, die attraktive Event-Locations für die im Netz beheimateten Händler darstellen. Hier werden die Konsumenten längst als „Omni-Consumer“ begriffen, die das stationäre Shopping eher als unterhaltende Freizeitgestaltung ansehen.

Zum anderen kommt angesichts einer alternden Bevölkerungsstruktur der Perspektivierung von Handelsstandorten als Ort der Begegnung und Versorgung der täglichen Bedarfe eine neue Bedeutung zu. Was Fachmarktzentren und die Idee der Hybriden Mall abseits der High Streets deutscher Städte in ihrem Konzept als umfassendes, gemischtes Dienstleistungszentrum prägt, wird zunehmend für die Betrachtung innerstädtischer Handelsimmobilien relevant: Die Nutzung von Einzelhandelsstandorten mit den vorhandenen Flächen als Raum für Entertainment, Shopping, Freizeitgestaltung und Dienstleistungsangeboten. Die High-Streets sowie die Shopping-Center müssen deshalb aus der Perspektive ihres städtischen Quartiers heraus als Begegnungs- denn nur als Konsumplätze wahrgenommen werden.

Handelsimmobilien und Shopping Center werden vor diesem Hintergrund nicht unattraktiver für Investoren oder Mieter. Sie werden von den Interessenten jedoch genauer geprüft, ob die abgerufenen Preise vor den Entwicklungen der sozioökonomischen Faktoren des Standorts sowie Nutzungspotenzialen über den klassischen Point of Sale möglich sind. Die Entwicklung in der ersten Hälfte des laufenden Jahres verdeutlicht, dass Handelsimmobilien in Deutschland nach wie vor begehrt sind. Denn einerseits gibt es nach wie vor gegenüber dem Online Handel resistente Branchen wie Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs, andererseits zeigt der zuvor erwähnte Zuzug von Onlinern in Filialen, dass der stationäre Handel essentiell für Sicherung und Ausbau von Marktanteilen ist. Die Integration vom Erlebnis- und Gemeinschaftsgedanken innerhalb einer Quartiersstruktur wird für den Einzelhandel und seine Immobilien dabei unablässig bleiben.

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