„Luxus“-Probleme am Markt für studentisches Wohnen

„Luxus“- Probleme am Markt für studentisches Wohnen

Die Studentenzahlen in Deutschland steigen weiter – die Preise für Studentenwohnungen auch. Neue Projekte sollen dem Mangel an Wohnraum Abhilfe schaffen. Doch die entstehenden Apartments sind häufig sehr teuer und entlasten den Markt nur bedingt.

Lassen Sie uns einmal in Erinnerungen schwelgen. In unserer Zeit als Studenten, um genau zu sein. Wissen Sie noch, wie Ihre Studentenbude aussah? Vermutlich wohnten Sie in einer Wohngemeinschaft oder aber in einer eigenen kleinen Wohnung, die Sie sich mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln annehmlich gestaltet haben. Vielleicht wohnten Sie ja auch in einem Wohnheim des Studentenwerks.

Doch vermutlich wird niemand von Ihnen in einem 18 m² kleinen Einzelapartment für 650 Euro oder mehr gewohnt haben. Aber genau solche Wohneinheiten gibt es immer mehr, in der Regel gebaut von privaten Investoren. Abgesehen vom Namen des Anbieters und dem Design der Inneneinrichtung unterscheidet sich die Mehrzahl der angebotenen Apartments im Prinzip nur wenig voneinander. Komplett möbliert, eine All-In-Miete als Rundum-Sorglos-Paket, diverse Gemeinschaftsräume und ein Objektbetreuer als „Mädchen für alles“. Man könnte etwas überspitzt auch von Hotels für Studierende sprechen. Doch sieht so der Wohnwunsch der Mehrzahl der Studierenden aus? Und vor allem: Kann sich die Mehrzahl der Studierenden so etwas überhaupt leisten?

 

Freilich bieten solche Apartments viele Vorteile. Man muss sich keinen eigenen Hausstand anschaffen und die Apartments sind oftmals online reservierbar, so dass man sich die zeit- und nervenraubende Suche am freien Wohnungsmarkt erspart. Dies ist insbesondere für ausländische und auswärtige Studierende, aber auch für andere Zielgruppen wie Young Professionals oder Expatriates, ein entscheidender Mehrwert.

Ein Mehrwert mit entsprechendem Aufpreis: So kosten private Einzelapartments heute beispielsweise durchschnittlich 670 Euro in Freiburg und 632 Euro in Frankfurt und liegen damit am oberen Ende der Preisskala. Denn laut jüngst veröffentlichten Zahlen der Sozialerhebung geben deutsche Studierende im Durchschnitt etwa ein Drittel ihrer Einnahmen für die Miete inklusive Nebenkosten aus. Bei den üblichen Mietpreisen für ein privates Einzelapartment (beginnend ab 450 Euro) müssten Studierende also über mindestens 1.300 Euro verfügen, um sich so ein Apartment leisten zu können. Studierende mit mindestens 1.300 Euro pro Monat? „Klingt viel!“, werden Sie vermutlich denken. Und Sie haben Recht! Tatsächlich verfügen nur rund 10 Prozent der deutschen Studierenden über ein so hohes monatliches Budget.

Der derzeit boomende Markt für private Studentenapartments schafft bislang vornehmlich Angebote für einen kleinen Teil der Studierenden. Und gerade diese Studierenden dürften aufgrund ihrer Zahlungsfähigkeit (bzw. jener ihrer Eltern) die geringsten Probleme am freien Wohnungsmarkt haben. Zwar haben natürlich auch Angebote für diese Zielgruppe ihre Existenzberechtigung, doch für den Großteil der Studierenden wird damit kein zusätzliches Angebot geschaffen. Der Mehrheit bleibt die oftmals zeit- und nervenraubende Suche am freien Wohnungsmarkt somit auch weiterhin nicht erspart.

Eine echte Entlastung für die Mehrzahl der Studierenden würden dagegen Angebote im mittleren Preissegment bringen. Doch um in diesem Preissegment ein wirtschaftlich tragfähiges und gleichzeitig attraktives Angebot zu realisieren, braucht es als Entwickler und Investor vor allem eins: Kreativität. Angesichts hoher Auslastungszahlen auch im Hochpreissegment könnte man aus Anbietersicht momentan zwar von Luxus-Problemen am Markt sprechen, aber wer langfristig und in der Breite wachsen will, für den könnte zu viel Luxus irgendwann womöglich zum Hindernis werden. Kleine Einzelapartments für viel Geld werden die oftmals beschriebene studentische Wohnungsnot jedenfalls nicht lösen können. Vielleicht haben Sie ja eine Idee für ein neues kreatives Konzept? Die Chancen stehen jedenfalls gut, dass sich Kreativität auch am Studentenwohnungsmarkt auszahlen wird.

 

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