Fernost auf Shoppingtour

Fernost auf Shoppingtour - Anteil asiatischer Investoren am deutschen Immobilienmarkt wächst weiter

Seit 2010 haben sie ihre Investitionen in deutsche Immobilien mehr als vervierfacht. Mit über 2,9 Mrd. Euro entfielen 2017 nun fast 9 % des Transaktionsvolumens auf asiatische Anleger. Wird aus dem Sprint nun ein Marathon?

Seit Jahren wird über asiatische Staatsfonds und Versicherungskonzerne gesprochen, die in Deutschland im großen Format Immobilien kaufen – wie sie es etwa im Bereich Maschinenbau bereits tun. Tatsächlich sind asiatische Investoren mittlerweile unübersehbar am Markt präsent, aber offenbar meist nach dem Motto „viel schauen, wenig kaufen“. Bei dieser Wahrnehmung trüben allerdings die hohen Erwartungen den Blick. Denn zwischen 2010 und 2016 haben sich die Immobilieninvestitionen asiatischer Käufer in Deutschland immerhin vervierfacht. Insbesondere die Koreaner sind engagiert. So hat Samsung 2016 über die Patrizia für 660 Mio. Euro die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt gekauft. Im ersten Halbjahr 2017 stieg derAnteil asiatischer Investoren am deutschen Investmentumsatz auf fast 9 Prozent. Damit waren die Asiaten die aktivsten unter den internationalen Käufern.

Deutschland ist aus den gleichen Gründen für asiatische Investoren interessant wie für andere nationale und internationale Käufer auch: Die Wirtschaft floriert und die politischen Rahmenbedingungen sind verlässlich. Diese Kombination findet sich in kaum einem Dutzend Staaten weltweit – und wenn man auf die großen Ökonomien schaut, wird die Auswahl sehr übersichtlich. Die Angebotslage gestaltet sich jedoch nicht ganz so attraktiv für die Käufer aus Fernost. Die meisten der nach Europa blickenden Investoren aus China, Korea, Singapur, Japan oder Hongkong suchen Investments ab mindestens 100 Mio. Euro. Die sind im polyzentrischen Deutschland rar. Einfacher zu verstehen sind etwa Großbritannien und Frankreich, wo sich die Immobilienmärkte – viel stärker, als in Deutschland – auf die Hauptstädte London und Paris konzentrieren – und immer noch wesentlich teurer sind, als etwa in Berlin.

Doch in Deutschland brummt die Wirtschaft, während in London Vielen zunehmend der Schädel brummt, wenn sie an die Folgen des Brexit denken. Die Abwanderung von Arbeitsplätzen in andere europäische Metropolen wird immer wahrscheinlicher, die Suchanfragen internationaler Konzerne immer häufiger. Und in Paris hat Macron noch keine Wunder für die stagnierende Wirtschaft bewirkt. Also: Deutschland! Zumal in fast allen Metropolen der Neubau von Büroflächen der Nachfrage nicht hinterherkommt und der sinkende Leerstand die Wertstabilität stützt. Anders in vielen Metropolen Asiens: Aktuell entstehen im Asien-Pazifik-Raum fast 60 Prozent der globalen Bürobaufläche. Hier wird zunehmend in den Leerstand gebaut. Grund genug, den Blick Richtung Europa zu wenden.

 

Zu bedenken ist allerdings, dass asiatische Investoren bei ihren Entscheidungen für die schmaler werdenden Renditen in vielen deutschen Großstädten immer auch den bis zum Frühjahr starken Dollarkurs gegenüber dem Euro im Hinterkopf hatten. Denn die Währungen Asiens sind meist an die Weltwährung Dollar gekoppelt und profitieren von dessen Stärke. Nun ist der Euro gegenüber dem Dollar seit dem Januar 2017 um etwa 15 Prozent gestiegen – obwohl die FED vorsichtig die Zinsen angehoben hat. Damit werden die Immobilien im Euroraum für Dollarzahler deutlich teurer.

Noch ist am Markt nicht erkennbar, dass die Asiaten ihren Anlauf in Deutschland schon wieder bremsen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob aus dem Sprint ein langfristiger Marathon wird. Die Zeichen dafür stehen gut.

 

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