Coworking Spaces am Standort Berlin – Bleiben wir zusammen allein?

Coworking Spaces am Standort Berlin – Bleiben wir zusammen allein?

Die Coworking Spaces von heute bieten überwiegend Einzelplätze. Doch entspricht dies noch der Berufswelt von morgen? So werden Gemeinschaftsflächen zukünftig zum Top-Nachfragekriterium. Miteinander statt Nebeneinander ist daher das Credo…

Die Individualisierung der Arbeitsmodelle und der Mut zur Gründung eigener Unternehmen prägt verstärkt die moderne Berufswelt. Während das Motto des Teamplayers immer noch auf Rang 1 der beliebten Eigenschaften eines Startups zu stehen scheint, schlagen sich Freiberufler als Einzelkämpfer durch. Doch einzeln heißt nicht gleich allein. Denn Kreativität und Erfolg wird angetrieben durch den Austausch mit Gleichgesinnten und dafür braucht es Begegnungsstätten. Die Lösung lautet Coworking Spaces – grundsätzlich nichts Neues, denn das erste eröffnete bereits 2005. Laut Twago gibt es aktuell über 100 solcher Spaces allein in der Hauptstadt. Tendenz weiter steigend. Bei bereits geringer werdenden Flächenverfügbarkeiten und damit wachsendem Nachfragedruck stellt sich die Frage: Welchen Einfluss hat dieses Officemodell auf dem hiesigen Büromarkt und wie nachhaltig ist dieses Konzept?

 

Auf den ersten Blick erscheint der Lösungsansatz durchaus praktisch. Temporäre Bereitstellung von Flächen auf einem hart umkämpften Büromarkt zu vergleichsweise günstigen Preisen. Doch das Bild eines netten kleinen Cafés, in dem sich Personen zum gemeinsamen Brainstormen treffen, um die eigenen Ideen weiterzuentwickeln, entspricht kaum noch der Realität. Das größte Coworking Space der Stadt betreibt eine Fläche von 6.000 m² und bietet 700 Arbeitsplätze. Klein und gemütlich weicht modern und funktional. Und für die Betreiber: Vor allem kosteneffizient. Über variable und vergleichsweise kostengünstige Mitgliedschaften erreichen die Anbieter eine Auslastung von über 100 %, denn die Mitglieder zahlen meist für einen Monat, sind aber beispielsweise nur zwei Wochen vor Ort. Zusatzangebote rund um Versorgung, Startup Merchandise und weitere Extras, die Jungunternehmer im Gründungsalltag benötigen, bringen zusätzliche Erträge. Um wirtschaftlich tragbar zu sein und ein Rundumpaket bieten zu können, streben die Big Player Mindestgrößen von 2.000 m² an und suchen entsprechend Flächen. Zwar werden in Berlin in diesem Jahr 197.000 m² neue Flächen fertiggestellt, allerdings sind diese zu 90 % vorvermietet. Und bei einer aktuellen Leerstandsrate von 2,5 % kommt der Markt an seine Grenzen.

Fakt ist: Neue Flächen werden gebraucht, sowohl für Traditionsunternehmen als auch für junge Unternehmer in der Startup-Metropole Berlin. Da diese Büroräume nicht kurzfristig greifbar sind, setzen auch Großkonzerne vermehrt auf temporäre Anbieter. Für einen flexiblen Zeitraum können große Unternehmen auf Coworking Spaces ausweichen und erhalten so die dringend notwendige Fläche. Sei es nun um Abteilungen auszulagern, oder aufgrund projektbezogener Arbeiten in Teams. Sind temporäre Konzepte aber wirklich langfristig nachhaltig? Nach der Generation Y, mit ihrem freiheitsliebenden Credo und dem Drang nach Veränderungen und Selbstbestimmtheit, ist die Generation Z auf dem Vormarsch. Diese scheint nach Expertenmeinungen den klassischen Nine-to-five Job zu präferieren, mit den gewohnten Kollegen, einem festen Arbeitsverhältnis in einem kleinen Büro zu dritt. D. h. der Freiberuflermarkt scheint sich zu verkleinern und aus dem Einzelkämpfer wird vermehrt ein Teamplayer, sei es nun bei Startups oder bei großen Unternehmen. Auch wenn die Zahl der Gründungen im vergangenen Jahr erstmals zurückging, ist ein weiterhin hohes Level zu erwarten. Gemeinschaftsflächen spielen bereits jetzt eine wichtige Rolle, denn Startups und Großkonzerne haben das Bedürfnis, Teams schnell zu vergrößern und zu verkleinern, je nach Projekt- und Auftragslage.

Das bedeutet langfristig für das Gros der Coworking Spaces den Fokus noch stärker zu verlegen: Teamräume, Konferenzräume und Co. werden zum Top-Nachfragekriterium, denn die Hauptzielgruppe werden Großkonzerne und Kleinunternehmen. Das könnte das Aus für kleine Spaces bedeuten, die sich auf den Einzelkämpfer spezialisiert haben. Für den Berliner Büromarkt und dessen Nutzer bedeutet es, dass die Relevanz flexibler agieren zu können noch weiter zunimmt. Wir bleiben zusammen allein. Zumindest ein bisschen.

 

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