Gastronomisierung des Einzelhandels: Symptomatische Reaktion oder Patentrezept?

Ob groß angelegte Foodcourts in Shopping Centern oder kleine Caféecken in Monolabel Stores: Die Gastronomisierung des Einzelhandels nimmt stetig zu. Doch ist die Investition in Food & Beverage für jeden Retailer sinnvoll? Welche Alternativen gibt es?

Der Hotdog im Einrichtungshaus, gut sortierte Bars in Kosmetiksalons, Caféecken in Textilgeschäften oder groß angelegte Foodcourts – der Einzelhandel erfindet sich neu und setzt dabei vermehrt auch auf Food & Beverage. Passé ist das Modell „Mall“ von vor 30 Jahren. Mit der Gastronomisierung von einzelnen Ladenflächen, vor allem aber von ganzen Ebenen in Shopping Centern, sollen Passantenfrequenzen erhöht sowie Umsätze stabilisiert werden. Die Gastronomie soll zudem maßgeblich zum Einkaufserlebnis beitragen. Neue und durchgestylte Gastro-Erlebnis Welten sind zurzeit eine Antwort zur Vermeidung von Leerständen und Erhöhung der Aufenthaltsqualität. So weit so gut – Doch geht diese Strategie auf? Was bedeutet der Trend à la „Essen geht immer“ für die unterschiedlichen Einzelhandelsformate?


 

Fakt ist: Wer isst, bleibt meist länger. Gemütliche Sitzecken können zur Aufenthaltsqualität beitragen. Das Bedürfnis der Kunden nach Kommunikation, reellen Begegnungen und gutem Auswärts-Essen wächst. Im Klartext sprechen wir bei der fortschreitenden Gastronomisierung von einem Anstieg von aktuell durchschnittlich acht Prozent des Gesamtflächenanteils deutscher Shopping Center auf 15 Prozent im Jahr 2033. Doch nur weil die Gastronomieflächen verdoppelt werden, bedeutet dies nicht, dass auch die Umsätze und Besucherzahlen dementsprechend steigen. Die „je mehr, desto besser“-Logik geht nicht unbedingt auf. Qualität statt Quantität, Klasse statt Masse lautet die Devise! Center Manager, Monolabel Store-Betreiber und Co. müssen sich überlegen, wie sie die Fläche standortgemäß individualisieren können, denn ein Patentrezept gegen Leerstände ist die Gastronomisierung nicht. Die neuen Restaurant- und Snackangebote sollten sich im besten Fall thematisch an das jeweilige Shopping Center anpassen, um eine atmosphärische Übereinstimmung des Shopping- und des Food & Beverage-Erlebnisses zu generieren.

Wie könnte somit die standortgemäße Anpassung konkret aussehen? Individuell! Denn so sehen sich die Kunden. Während in Shopping Centern und Fachmarktzentren die Gastronomisierung auf einer ganzheitlichen Ebene betrachtet werden muss, sollte die Einbettung von Speis und Trank in einem High Street Monolabel Store oder innerhalb einer Ladenfläche eines Zentrums kleinteiliger und thematisch passend erfolgen. Im Elektrofachgeschäft bieten Cafélounges Kaufanreize für die ausgestellten Kaffeevollautomaten, im Baumarkt gibt es eine Currywurst auf die Faust und Lebensmitteleinzelhändler richten Live Cooking-Flächen ein, um die angebotene Produktpalette vor Ort zu präsentieren. Das gastronomische Angebot richtet sich immer an eine bestimmte Ziel- und Käufergruppe und sollte auf die jeweilige Atmosphäre sowie das Image des Unternehmens abgestimmt sein. Auf Center-Ebene gestaltet sich dies noch ein wenig komplizierter. So wäre beispielsweise ein Burgerladen neben veganer Mode oder eine Cocktailbar neben einem Spielwarengeschäft deplatziert.

 

In jedem Fall bieten die neu erschlossenen Gastronomieflächen aber Platz, um den wachsenden Wunsch nach kommunikativen Begegnungen und Freizeitflächen nachzukommen. Die Gastronomisierung ein Schritt in die richtige Richtung, um den sich verändernden Ansprüchen der Konsumenten und des Marktes gerecht zu werden. Dies allein reicht jedoch nicht aus. Da sich nicht nur die Kundenbedürfnisse dynamisch und variabel ändern, sondern auch die Lebens-, Arbeits- und Freizeitwelten verschmelzen, gehen die Ansprüche an die Handelsimmobilie im Allgemeinen und das Shopping Center im Besonderen weiter.’

Eben diese Verschmelzungen im Alltag bestimmen die alternativen Nutzungen in der Zukunft. Deshalb ist die Frage auch wie Coworking Spaces, Freizeitflächen und Wohnungen in die Strukturen integriert werden können. Liegt die zukünftige Aufgabe in der Verbindung aus Shoppen, Essen, Networken, Arbeiten und Entspannen an einem Ort? – Womöglich ist das die Zukunft des Einzelhandels.

 

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