Von der Bürosuche zur Arbeitsplatzsuche

Von der Bürosuche zur Arbeitsplatzsuche

Beim Gedanken an den deutschen Bürovermietungsmarkt sind drei Themen wegweisend: Platzmangel, „War for Talents“ und Startups. Inwiefern beeinflussen diese und weitere Faktoren den Arbeitsmarkt und wie reagieren Nutzer, Eigentümer und Makler?

Berlin macht es vor, andere deutsche Metropolen ziehen nach: Coworking Spaces sind die Zukunft des Büroimmobilienmarkts. Während wir uns in den vergangenen Jahrzehnten auf die Vermarktung von abgeschlossenen Büroflächen konzentriert haben, rücken Sharing-Modelle wie die der großen Player WeWork, Mindspace und Rent24 zunehmend in den Fokus unseres Makleralltags. Und das ist kein Hype mehr, sondern ein langfristiger Trend.

Schreibtisch, Drehstuhl, PC, Kaffee – fertig ist der Arbeitsplatz. Was früher noch relativ simpel und eindimensional war, unterliegt heutzutage der Dynamik der Arbeitswelt. Die Folge: DAS klassische Büro gibt es kaum noch. Stattdessen temporäre, variable Flächen wie die sogenannten Coworking Spaces, Serviced Offices, Business Center sowie deren Hybridformen – wahlweise mit Latte Macchiato, extra Schaum und Barista-Herz on top. Eine Mitgliedschaft mit kurzen Kündigungsfristen und viel Networking-Potenzial ersetzt die üblichen 10-Jahres-Verträge mit Hang zur Sesshaftigkeit. Community statt Einsamkeit lautet das Credo. Doch worin liegt dieser Trend neben dem Drang zur Vernetzung noch begründet? Hauptsächlich sind es drei Säulen, auf dem das Konstrukt „Coworking“ gebaut wurde:

  1. Platzmangel bei wachsender Unternehmensgröße und Projektarbeiten

Desksharing-Modelle und Open Spaces zielen nicht mehr nur auf Freelancer und Startups ab, sondern bieten ebenso KMUs und Konzernen gute Lösungsstrategien. Auch Unternehmen wie z. B. Daimler greifen bei temporären Projektgruppen auf flexible Flächennutzungen zurück, um kurzfristig und kosteneffizient agieren zu können.

  1. War for Talents

In sämtlichen Branchen herrscht ein stetig wachsender Fachkräftemangel. Dementsprechend groß ist der Wettbewerb um Young Professionals und gestandene Experten. Selbst die großen Player am Markt müssen kreativ werden, um auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu sein und zu bleiben. Die Devise: Wenn das Talent nicht zum Arbeitgeber kommt, kommt der Arbeitgeber eben zum Talent. Coworking Spaces als Karriereplattform – wo wir wieder beim Networken wären.

  1. Startup Boom

Die Zahl von Startups ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, der Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit wächst in den Köpfen junger Talente und Aussteiger. Gen Y und Z sind die Arbeitnehmer und Gründer von morgen und wissen die Vorzüge von Coworking Spaces und Serviced Offices zu schätzen. Das Resultat: Eine große Menge an vielen Neugründungen und schnell wachsenden Startups.

 

 

Diese Vielzahl an neuen Arbeitsplatzkonzepten eröffnen einerseits ein hohes Maß an Individualität und Flexibilität, stellt Freelancer, Startups und KMUs aber auch vor die Qual der Wahl. Denn je größer das Angebot, desto schwieriger und langwieriger die Suche nach dem passenden Arbeitsplatzmodell. Spätestens hier wird deutlich, wie wichtig es ist, unsere Maklerkompetenz auf neue Segmente auszuweiten und die Suche nach innovativen Büroräumen zielführend und beratend zu begleiten. Mithilfe unserer Vermittlungsplattform „workthere“ sorgen wir für mehr Markttransparenz, schaffen einen Überblick, erleichtern Prozesse und liefern durch Standortexpertise und Verhandlungsgeschick passgenaue Lösungen.

In Zahlen gesprochen sind dies bisher 60 unterschiedliche Coworking-Angebote in den Top-7-Metropolen der Bundesrepublik – bis Jahresende soll die 100er-Marke geknackt werden und 2018 folgen auch Flächen außerhalb der A-Städte sowie Serviced Offices und Untervermietungen. Durch „workthere“ können wir mit den Startups wachsen und wissen so jederzeit um die neuesten Entwicklungen. Entgegen anderer Kanäle zeigen wir verfügbare Arbeitsplätze und nicht nur die üblichen Büroflächen. Betrachten wir den Gesamtmarkt, lässt sich festhalten, dass 2014 gerade einmal 38 Anbieter aktiv waren, während es deutschlandweit in diesem Jahr bereits 110 sind – ein Plus von knapp 190 Prozent. Angesichts dieses relativ großen Wachstums wäre es fatal, würden wir die neuen Player außer Acht lassen und uns nur auf konventionelle bzw. etablierte Geschäftsfelder konzentrieren. Immerhin könnten Coworking Spaces und Startup-Hubs langfristig traditionelle Bürokonzepte in Sachen Flächen- und Zeiteffizienz überholen. Zumindest aber wird das Segment mittelfristig fester Bestandteil des deutschen Bürovermietungsmarktes sein.

Von der Nische zum Massenmarkt, von der Alternative zum Muss – sowohl für Mieter und Makler als auch für Eigentümer und Investoren. Ähnliche Trends und Strukturwandel vollziehen oder vollzogen sich bereits in den Segmenten Logistik und Einzelhandel. Auch hier gibt es schon lange nicht mehr DIE Immobilie, DEN Investment Case, sondern viele einzelne Modelle, die sich je nach Standort, Anforderungen und Funktion voneinander unterscheiden. Auf lange Sicht hin wird sich auch der Markt für innovative Arbeits(platz)modelle segmentieren. Angelehnt an die Hotelbranche wird es u. a. kostengünstige Startup-Hubs und Coworking-Angebote geben sowie Full-Service Offices mit Fünf-Sterne-Plus-Charakter, integriertem Restaurant und einem umfassenden Dienstleistungsspektrum.

Büro nach Maß oder Masse statt Klasse? Wie auch immer sich der Markt für Desksharing-Modelle, Thinktanks, Networking Hotspots und Co. entwickelt: Der Erfolgsfaktor Community sollte bei dem gleichzeitig hohen Grad an Flächeneffizienz definitiv in das Leistungsspektrum eines jeden Maklerhauses integriert werden, um auch langfristig den wachsenden Ansprüchen moderner Arbeitnehmer gerecht werden zu können.

 

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