Arbeitsplatz nach Maß statt Masse - Coworking

Arbeitsplatz nach Maß statt Masse


Coworking hat sich unlängst zum repräsentativen Phänomen unserer Gesellschaft entwickelt. Die Sharing-Generation teilt alles – vom Auto über das Essen bis hin zum Schreibtisch. Aber wo fängt Coworking an? Ein Bürokonzept mit vielen Gesichtern.

Voll möbliert, flexible Raumaufteilung, 24-Stunden-Rundum-Service, integrierte Bars & Cafés –moderne Bürokonzepte lassen keine Wünsche offen und treffen augenscheinlich den Nerv der Zeit. Erst kürzlich mietete der Marktführer WeWork 13.000 Quadratmeter auf 15 Stockwerken am Potsdamer Platz in Berlin. Ein Rekord, nicht nur in der Coworking-Szene, sondern auch auf dem Bürovermietungsmarkt der Hauptstadt. Doch eignet sich das Arbeitsplatzkonzept wirklich für jedermann? Warum Coworking nicht immer Coworking ist.

Ob „Serviced Offices“, „Coworking Spaces“ oder „Startup-Hubs“ – Hauptsache moderner, schöner, flexibler und am besten jetzt sofort, so der Anspruch vieler Unternehmen in Zeiten von Digitalisierung und dem Internet of Things. Der größte Treiber dieser Entwicklung: Die Vernetzung der Welt zieht die Vernetzung der Arbeitswelt mit sich – es geht um Interaktion, Inspiration, Innovation und Identifikation. Denn nicht nur die Technologie hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt, sondern auch deren Integration in den Alltag. Millenials gehören zu den heiß umkämpften Young Professionals, zur ersten Generation der „Digital Natives“ und zu den „Kollektiven Konsumenten“. Aufgewachsen mit mobilen Endgeräten und Cloud-Technologien verlangen sie ein hohes Maß an Konnektivität und Mobilität, die Internetverbindung fällt bei der Standortwahl mehr ins Gewicht als der Mietpreis, Sharing-Modelle wie Car2Go und Airbnb sind en vogue, Netzwerken ist und bleibt das Erfolgskonzept. So weit, so bekannt, haben wir doch erst kürzlich die Gründe für den Boom durchdekliniert.

Beim Blick auf die Zahlen wird dieser Trend zur arbeitenden Community durchweg bestätigt: 2017 mieteten Coworking-Anbieter in den Top-6-Metropolen der Bundesrepublik sechsmal mehr Flächen als im Vorjahr. Eine Entwicklung, die sich auch im World Wide Web widerspiegelt: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Google-Suchanfragen nach dem Schlagwort „Coworking in Deutschland“ vervierfacht.

Flächenumsatz Coworking - Coworking am Gesamtflächenumsatz

 

Durchschnittliche Suchanfragen pro Jahr in Prozent laut Google Trends

 

Doch wo fängt Coworking an und wo endet es? Und ist das Büro der Zukunft die Alternativlösung für jede Unternehmung?

Bleiben wir bei der marktführenden Suchmaschine und geben den Begriff ein, finden wir Angebote von A wie Ausstattungslinien bis Z wie Zwischenmiete. Auf die Flächen bezogen heißt das exemplarisch: schallisolierte Einzelarbeitsplätze, große Konferenzsäle mit Glastrennwänden oder Open Spaces, die eher Katalog-Wohnzimmern als Großraumbüros ähneln. Je nach Integrationsgrad von Freizeit in die Arbeitswelt gipfelt diese in einer Form von Work-Life-Balance – und in naher Zukunft auch in sogenannten Coliving-Arealen. Ein Trend, den auch verschiedene Dienstleistungssegmente wie u. a. Hundeschulen, aber auch Kaffeehersteller und Catering-Services schon für sich entdeckt haben. Wohnen, Leben und Arbeiten, vereint in einem Gebäude. Ist das die Zukunft oder nur ein Extrem urbaner Lebensformen?

Wir begreifen die unterschiedlichen Verknüpfungsgrade von Privat- und Arbeitsleben, von Einzel- und Teambüros als Beispiele für das, was Coworking sein kann, aber nicht zwingend sein muss. Wie vielfältig das Bürosegment 2.0 ist, zeigen u. a. auch Plattformen wie workthere.de, auf der die Bandbreite des Marktes abgebildet wird und gemeinsam mit Experten nach den richtigen Räumlichkeiten gesucht werden kann. „Welches Angebot passt zu mir, meinen Anforderungen und meiner Unternehmenskultur?“, „Welcher Standort eignet sich für meine Unternehmung?“ „Ist Coworking im eigentlichen Sinne wirklich das richtige für mich?“ Denn es gibt auch Anbieter, die sich das Etikett Coworking auf die Fahne schreiben, in denen das Konzept jedoch eher ein Geschäftsmodell als eine Philosophie darstellt. Der Reiz der Serendipität, das zu finden, nachdem man gar nicht gesucht hat, ist hier nicht unbedingt ausschlaggebend. Zwar bleibt die Flexibilität gemeinsamer Nenner, jedoch steht hier das umfassende Dienstleistungsangebot im Vordergrund, nicht der namensgebende Austausch, das kollaborative Arbeiten. Gemeint sind zum Beispiel sogenannte „Serviced Offices“ und „Business Center“. Sie fallen zwar auch in das Segment „Coworking“, gehören jedoch nicht oder nur bedingt dem komplexen sozialen Phänomen an, das schon lange nicht mehr nur Hype ist, sondern zum festen Bestandteil unserer Arbeitswelt wurde. Auf welches Modell die Wahl konkret fällt, hängt demnach von den jeweiligen Anforderungen der Nutzer ab, die es zu definieren gilt. Deshalb: Arbeitsplatz nach Maß? Ja! Coworking? In Maßen.

Coworking Suchanfragen je Standort in %

 

 

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