Citylogistik - Die neue Herausforderung der Immobilienwirtschaft

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Citylogistik: Die neue Herausforderung für die Immobilienwirtschaft

Citylogistik - Die neue Herausforderung für die Immobilienwirtschaft

Der Online-Umsatz im Einzelhandel in Deutschland steigt Jahr für Jahr. Nach Prognosen des Handelsverbands Deutschland wurden 2016 44 Milliarden Euro per Internet umgesetzt, 11 Prozent mehr als 2015 und doppelt so viel wie 2009. Der wachsende E-Commerce wirft nicht nur einen Schatten auf den Markt der Einzelhandelsimmobilien, sondern lässt gleichzeitig die Sonne für Logistikimmobilien scheinen. E-Commerce ist einer der wichtigsten Treiber des boomenden Logistikimmobilienmarkts. Laut einer aktuellen Studie, die das Beratungsunternehmen bulwiengesa zusammen mit Savills und anderen Partnern erstellt hat, wurden von 2011 bis 2016 mehr als 18 Millionen Quadratmeter neue Logistikfläche fertiggestellt. Im selben Zeitraum stagnierte die Einzelhandelsverkaufsfläche in Deutschland bei ca. 119 Mio. Quadratmetern.

Der wachsende Internethandel lässt jedoch nicht nur großflächige Fulfillment-Center entstehen, die den Händlern zur Lagerung, Kommissionierung und Verteilung dienen. Er stellt auch die Transportbranche, vor allem die Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP), vor neue Herausforderungen. Wie kommt das Paket am besten zum Kunden? Das größte Problem dabei ist die sogenannte „letzte Meile“ – und die immer kürzeren Lieferfristen. Amazon bietet in ersten Städten bereits für ausgewählte Produkte die One-hour-Lieferung an. Die Citylogistik muss sich dem grundlegenden Strukturwandel anpassen und bekommt in der gesamten Lieferkette durch E-Commerce einen deutlich höheren Stellenwert als bislang. Sowohl Internethändler als auch KEP-Dienstleister nutzen und testen neue Zustellmöglichkeiten, die von einfach einsetzbaren Lastenfahrrädern über autonom fahrende Roboter bis hin zur Drohne reichen.

Auch für den Logistikimmobilienmarkt hat die neue Stadtlogistik Konsequenzen. Laut der bulwiengesa-Studie bilden sich einige grundlegend neue Strukturen ab. Für mehrstufige Logistikkonzepte werden unterschiedliche Immobilientypen benötigt. Weiterhin gefragt sind große, dezentrale Hubs im weiteren Umfeld von Metropolregionen. Hinzu kommen Konsolidierungs-Center oder White-Label-Hubs: In Standrandlage etablieren sich neutrale Logistikzentren, die als Multi-Tenant-Immobilien mehreren KEP-Dienstleistern zur Verfügung stehen. Die dritte Stufe sind die Micro-Hubs in City-Lage, die die Belieferung auf der letzten Meile überhaupt erst ermöglichen.

Aufgrund der geringen Verfügbarkeit innerstädtischer Standorte gilt es, flexibel zu sein. Die Citylogistik setzt auf eine Dezentralisierung durch viele kleine Einheiten. Einen klassischen Immobilientyp hierfür gibt es allerdings noch nicht. Ins Visier geraten daher verstärkt bestehende Flächen, ob Einzelhandel, Büro oder Parkhäuser. Allerdings gestaltet sich die Nutzung zum Teil als schwierig. Im Hamburg stieß Amazon auf starken Widerstand, als es im Berliner-Tor-Center ein Lager- und Logistikzentrum einrichten wollte. In Berlin ist es dem Unternehmen allerdings gelungen, sich vorübergehend direkt am Kurfürstendamm mit einem Lager einzumieten. Dies dürfte nur ein Anfang sein. Die zunehmende Grundstücksverknappung wird die Logistikbranche und auch die Immobilienwirtschaft zu neuen Lösungen zwingen.

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