Novellierung Nahversorgung - der kurze Weg zum Supermarkt, der lange Weg zur Assetklasse

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Novellierung Nahversorgung

Die Creme im Drogeriemarkt kaufen, danach kurz zum Bäcker und zwischendurch noch das Kind zur Kita bringen – Nahversorgung sei Dank. Warum Investoren sich bei der Assetklasse nicht an Nutzungsarten, sondern an dem täglichen Nutzen orientieren sollten.

Wenn Immobilieninvestoren heute von Assetklassen reden, dann sprechen sie über Büro-, Einzelhandels- oder Logistikimmobilien. Die Trennlinien zwischen den Assetklassen verlaufen also entlang der Nutzungsarten. Eine Assetklasse ‚Nahversorgung‘, die sich über ein Kundenbedürfnis und nicht über eine Nutzungsart definiert, lässt sich da nicht ohne weiteres einsortieren. Das fällt insbesondere dann schwer, wenn man Nahversorgung ganzheitlich begreift. Dann nämlich ist der Einzelhandel lediglich Teil einer Symbiose mit verschiedenen anderen Nutzungen, die das gesamte Spektrum der Nahversorgung abdecken. Erst dann, wenn der Discounter und der Drogeriemarkt sich eine Immobilie oder wenigstens eine Lage mit öffentlichen und privaten Dienstleistungen wie beispielsweise einer Bank, Post, einem Friseur oder Schumacher teilen, entstehen echte Orte der Nahversorgung. Die Vorteile dieser Verknüpfung liegen auf der Hand: Der Kunde profitiert sowohl von der Angebotsvielfalt als auch von den kurzen Wegen und spart somit wertvolle Zeit. Und für den Immobilieninvestor entsteht ein schwer digitalisierbares und deshalb äußerst attraktives Produkt.

Doch bis zu einer Assetklasse Nahversorgung in diesem umfassenden Sinne ist es noch ein langer Weg. Immerhin, die Grenzen zwischen den Nutzungsarten verschwimmen schon heute zunehmend. Einen Eindruck davon kann sich verschaffen, wer das Projektentwicklungsgeschehen von Bürogebäuden beobachtet. Typischerweise ist ein Fünftel bis ein Drittel der Gesamtfläche aktueller Projekte in den Top-7-Standorten keine Bürofläche. Dieser hohe Anteil lässt erahnen, dass
monogenutzte Bürogebäude der Vergangenheit angehören könnten. Die Zukunft gehört vielmehr Gebäuden, in denen die Bürofläche mit dazu passenden Nutzungen wie Gastronomie oder Beherbergung verknüpft wird. Ähnliches lässt sich bei anderen Arten von Immobilien beobachten. So werden ehemalige Warenhäuser oft in gemischt genutzte Gebäude umgewidmet und selbst einige der bestehenden Warenhäuser geben Einzelhandelsfläche zugunsten anderer Nutzungen auf, wie die Kooperation von Galeria Kaufhof und Wework zeigt.

Setzen sich diese Entwicklungen fort, dann stellt sich früher oder später die Frage, ob die bisher geläufige Unterscheidung von Assetklassen anhand der Nutzungsarten noch zeitgemäß ist. Dann könnte die Zeit reif sein für eine Assetklasse Nahversorgung, die Nutzungsartengrenzen überschreitet.

Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie im aktuellen Habona-Report.

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