Savills im Dialog: Matti Schenk über Wohnen auf Zeit und den großen Boom von kleinen Wohnungen

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Savills im Dialog: Matti Schenk über Wohnen auf Zeit und den großen Boom von kleinen Wohnungen

Der Bau von Studentenwohnungen reißt nicht ab. Doch wird mit dem Bauboom auch die ganze Zielgruppe bedient? Immer häufiger werden auch Young Professionals und Expatriates mit dem Sammelbegriff “Temporäres Wohnen” angesprochen.

Studentenbuden von früher haben mit den Studentenapartments von heute meist nur noch eines gemeinsam: Die Größe. Während ein Zimmer in einer Studenten-WG eine vergleichsweise günstige Möglichkeit zu Wohnen war und ist, sind die neuen
Angebote im Studentischen Wohnen oftmals Premiumprodukte. Denn hochwertig ausgestattete Einzelapartments in begehrten Lagen der Studentenhochburgen haben ihren Preis. Doch wohin führt diese Entwicklung? Matti Schenk, Senior Consultant Research bei Savills, über den Bauboom am Studentenwohnungsmarkt, neue Zielgruppen und die Bedeutung des Sharing-Gedankens.

Bereits im Jahr 2015 sprachen Sie von einem Bauboom im Studentischen Wohnen. Boomt der Markt weiterhin und wird das Wachstum anhalten?
Der Markt hat sich in den letzten Jahren sogar noch schneller entwickelt als im Jahr 2015 abzusehen war. Wir gingen damals von einem Privatbestand in den dreißig größten Hochschulstädten von rund 41.000 Betten bis zum Jahr 2020 aus. Doch bereits heute gibt es in diesen Städten knapp 44.000 Betten. Damit hat sich das Angebot in nur sieben Jahren verdreifacht. Momentan ist auch kein Ende des Baubooms in Sicht, denn es befinden sich Wohnanlagen für weitere 20.000 Studierende in Bau oder in Planung. Doch so bemerkenswert dieses Wachstum auch erscheinen mag, man sollte im Hinterkopf behalten, dass es in diesen Städten über 1,5 Millionen Studierende gibt. Selbst wenn man die Bestände von privaten und gemeinnützigen Trägern zusammenzählt, reicht das Angebot nur für etwas mehr als 11 % der Studierenden. Gleichzeitig ist nicht in Sicht, dass sich die Wohnungsmärkte mittelfristig spürbar entspannen und die Studierendenzahlen dürften auch in den nächsten Jahren hoch bleiben. Die Nachfrage im Studentischen Wohnen wird somit aller Voraussicht nach auch zukünftig groß sein. Seitens institutioneller Investoren besteht ebenfalls eine rege Nachfrage. Es spricht somit wenig dafür, dass Projektentwickler ihre Aktivitäten im Studentischen Wohnen zurückfahren und der Bauboom endet.

Wird weiterhin vor allem im Premiumsegment gebaut?
Das neue Angebot besteht zu rund 90 % aus Einzelapartments. In der Regel sind diese je nach Standort zwischen 18 m² und 20 m² groß und vergleichsweise hochwertig ausgestattet. Fast alle Wohnanlagen verfügen über verschiedene Gemeinschaftsflächen. Mit dieser hohen Produktqualität gehen recht hohe Mieten einher. Daher verbessert sich die Versorgungsquote vor allem im Preissegment ab 500 Euro All-In-Miete. Fast kein zusätzliches Angebot entsteht hingegen im mittleren Preissegment, was sicherlich auch durch hohe Grundstücks- und Baukosten hervorgerufen wird. Statt Wege zu finden, um auch in das mittlere Preissegment vorzudringen, ist eher zu beobachten, dass Anbieter für Studentisches Wohnen immer öfter auch Nicht-Studierende ansprechen.

Welche zusätzlichen Zielgruppen werden angesprochen und warum?
Im Fokus der Anbieter stehen vor allem Young Professionals, Projektmitarbeiter und Expatriates sowie Fernpendler. Diese Zielgruppen werden vermehrt angesprochen, weil auch sie oftmals kein passendes Angebot am Wohnungsmarkt finden. Kleine möblierte Wohnungen für eine überschaubare Wohndauer dürften von diesem Personenkreis stark nachgefragt werden. Außerdem können diese Nutzer in der Regel eine höhere Miete zahlen als Studierende. Womöglich könnte aber auch der wachsende Wettbewerb am Markt für Premium-Studentenapartments ein Grund sein, warum nun ein größerer Personenkreis angesprochen wird. In jedem Fall macht es mittlerweile Sinn, von einem Markt für Temporäres Wohnen zu sprechen und nicht mehr nur von Studentischem Wohnen.

Auf dem Büromarkt sind Flexible Workspaces derzeit in aller Munde. Wie sieht es mit dem Sharing-Gedanken beim Temporären Wohnen aus?
Der Sharing-Gedanke ist hier bereits seit Jahrzehnten Gang und Gäbe. Das Ganze nennt sich Studenten-WG. Die Motive sind hierbei recht einleuchtend. Man teilt sich Räumlichkeiten und spart somit bei der Miete. Zu diesem ökonomischen Motiv kommt noch der soziale Aspekt des gemeinsamen Wohnens. Dieser Aspekt wird auch im Marketing der Anbieter von Temporärem Wohnen stark betont. Letztlich sollen die Gemeinschaftsflächen in den Wohnanlagen des Temporären Wohnens auch eine Community unter den Bewohnern der Einzelapartments schaffen. Es wird privater Raum in einen halböffentlichen Raum ausgelagert, so dass diese Flächen effizienter genutzt werden können. Der Sharing-Gedanke ist in diesem Segment des Wohnungsmarktes somit sicherlich am weitesten vorangeschritten. Ähnlich wie bei den Flexible Workspaces am Büromarkt.

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