Startup-Hauptstadt Berlin: Bedrohen steigende Mieten und der Wettbewerb um die Flächen die bisherige Vormachtstellung?

Der Savills Blog

Startup-Hauptstadt Berlin:

Berlin ist das Mekka der deutschen und zunehmend auch der internationalen Startup-Szene. Der überhitzte Büroimmobilienmarkt der Hauptstadt sorgt für eine sukzessive Verknappung des Angebots – Startup-Unternehmen werden sich deshalb in Zukunft vermehrt nach Alternativen umsehen müssen.

Alle 20 Stunden wird in Berlin ein neues Unternehmen gegründet – nicht ohne Grund ist die Spreemetropole also nach wie vor der Startup-Standort Nummer Eins in Deutschland. Aufgrund der direkten Verbindung zu den europäischen Märkten ergibt sich ein riesiges Absatzpotenzial, was – zusammen mit dem Status als urbane Szene- und Kulturhauptstadt und der Wichtigkeit als Messe- und Kongressstandort – Berlin zu einem echten Paradies für Startups macht. Doch kann die Stadt diese Vormachtstellung auch dauerhaft für sich behaupten?

Denn: Vor allem die Flächenknappheit im Büroimmobiliensegment könnte auf Dauer für Probleme sorgen und erfordert ein Umdenken und das Vorantreiben neuer Projekte.

Beim Blick auf die aktuellen Zahlen zu Startups in Deutschland ist festzustellen, dass momentan keine Entwicklung zu erkennen ist, die für einen baldigen Rückgang von Neugründungen spricht. Die Hauptstadt stellte im Jahr 2017 mit 16,8 % weiterhin mit Abstand die meisten Startup-Unternehmen in Deutschland. Im Fünf-Jahres-Mittel entfielen rund 9 % des Flächenumsatzes auf das Segment. Der prozentuale Anteil an der Anzahl der Startups insgesamt in der Bundesrepublik ging dabei um 0,2 % zurück. Berlin ist auf der anderen Seite nach wie vor der Liebling unter den Standortwechslern in der Startup-Branche. Drei Viertel der Umzüge vollzogen sich zwar innerhalb des jeweiligen Bundeslandes, unter denen, die das Bundesland wechselten, zogen im vergangenen Jahr allerdings mit 26,1 % prozentual am meisten Startups nach Berlin. Dies geht aus dem Deutschen Startup Monitor 2017 hervor. Insgesamt sind in der Hauptstadt mittlerweile 13.000 Menschen in Startups beschäftigt, was diese zum fünftgrößten Arbeitgeber der Stadt macht. 

Betrachtet man ferner die Entwicklung von Venture Capital im DACH-Raum, wird ebenfalls deutlich, wie stark die Rolle Berlins in diesem geografischen Raum ist. Gemäß dem Report „Startup & Venture Capital Landscape in DACH in 2018“ entfallen 70 % aller Venture Investments in Deutschland auf Berlin und in der DACH-Region immer noch 32 %.

Welche Rolle spielt Berlin aber international?
Nur Stockholm zieht global betrachtet mehr internationales Wagniskapital an als Berlin. In der Hauptstadt entfallen demnach ca. 49 % des Venture Capitals auf ausländische Investoren, wodurch auch die internationale Bedeutung Berlins unterstrichen wird. Zudem genießt in der Venture-Branche, gemäß dem Report, einzig das Silicon Valley derzeit eine größere allgemeine Attraktivität als Berlin. Die Schlussfolgerung hieraus ist, dass die Spreemetropole sich immer mehr zu einem etablierten Tech-Hub auf internationalem Level entwickelt. Die Stadt ist nicht mehr „arm, aber sexy“, sondern mittlerweile etabliert und sexy.

Doch mit diesen Entwicklungen gehen auch Risiken einher:
Neben steigenden Lebenshaltungskosten und dem ausgeprägten Kampf um Talent könnte auch die angespannte Lage auf dem Berliner Büromarkt zukünftig ein Problem darstellen. Startups sind mittlerweile eine relevante Größe auf dem Büromarkt der Hauptstadt. Durch die ständig steigende Zahl der Beschäftigten im Bürosegment werden die Objekte, vor allem in zentralen Lagen, knapp. Die geringe Leerstandsquote wirkt sich auf die Mietpreise aus, der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Büroimmobilien beträgt aktuell 20,70 Euro. Das bedeutet einen Anstieg von rund 21 % im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Startups legen bei der Suche nach passenden Räumlichkeiten für ihr Unternehmen Wert auf bestimmte Merkmale. So werden Lagen mit Szenecharakter bevorzugt, die eine hohe Urbanität aufweisen und gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind. Dieses Profil führt dazu, dass die mit Abstand meisten Startups in Berlin-Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow angesiedelt sind und es nur wenige Firmen in die Randbezirke zieht. Für die Büros selbst wünschen sich die Startups vor allem flexible Flächen mit kommunikativem Charakter. Eine immer größer werdende Wichtigkeit erfahren auch Coworking Spaces, die sich zu einem der meistnachgefragten Bürokonzepte entwickelt haben. Auch aus diesem Grund drängen vermehrt internationale Anbieter auf den Berliner Markt.

Wie sieht nun also die Zukunft des Berliner Startup Marktes aus?
Mehrere Faktoren sind entscheidend: Die Knappheit auf dem Büroimmobilienmarkt wird sich vorläufig nicht entspannen. An dieser Stelle wird dann in Zukunft noch stärker entscheidend sein, in welchem Maße neue Coworking-Spaces geschaffen werden können. Diese flexiblen und gut ausgestatten Arbeitsplätze sind eine von vielen Startup-Unternehmen bevorzugte Lösung. Neben neuen Coworking Spaces müssen auch vermehrt Gebiete außerhalb des Zentrums für Startup-Unternehmen interessant gemacht werden. Dabei kann die Errichtung neuer Technologiezentren eine wichtige Rolle einnehmen. Für die Steigerung der Attraktivität von Randbezirken muss zudem ein Imagewandel von Standorten wie Spandau oder den alten großen Industriestadtteilen Tegel, Köpenick und Adlershof vorangetrieben werden. Denn nur wenn auf Dauer genug (bezahlbares) Angebot für Startups besteht, wird Berlin seinen unangefochtenen Spitzenplatz in der Gunst der Unternehmen wahren können.

Andernfalls könnten in Zukunft die Vorteile im Angebot von Ballungsräumen wie Rhein-Ruhr, Stuttgart-Karlsruhe oder München die Standortvorteile von Berlin überwiegen. Der Status der Spreemetropole als unangefochtene Nummer Eins des deutschen Startup-Marktes könnte also bröckeln, man hat es dort in gewisser Hinsicht allerdings selbst in der Hand, wie stark diese Entwicklung ausfällt.

 

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