Hotspot Hauptbahnhof? Düsseldorf erfindet sich neu

Der Savills Blog

Hotspot Hauptbahnhof? Düsseldorf erfindet sich neu

Das Düsseldorfer Bahnhofsviertel galt lange Zeit als Makel im Stadtbild. Doch nun schreitet die Entwicklung des Areals zusehends voran und zahlreiche Revitalisierungen und Repositionierungen geben dem Viertel in Zukunft ein neues Gesicht.

1891 eröffnet, 16 Gleise, täglich 250.000 Reisende. Das ist der Hauptbahnhof Düsseldorf in Zahlen. Doch was ist er für die Stadt respektive für den Immobilienmarkt? Nächster Halt oder Endstation? Diese Frage stellen sich Bürger und Besucher bereits seit rund 20 Jahren, wenn es um die architektonische und stadtplanerische Ausgestaltung des Areals geht. Denn so lange schon gibt es Pläne, den Verkehrsknotenpunkt sowie sein direktes Umfeld neu zu gestalten. Ist jetzt, 33 Jahre nach dem letzten Umbau, der Knoten geplatzt?

Was lange währt, wird endlich gut?
Angesichts aktueller Entwicklungen kann dies mit einem „Ja!“ beantwortet werden. Von der Erkrather Straße im Süden bis hin zur Karl-, Immermann- und Friedrich-Ebert-Straße im Norden des Bahnhofes wird der Standort nachhaltig revitalisiert und repositioniert. Das Milieu, das vielerorts zum Bahnhofsviertel gehört und sowohl Sicherheitsgefühl als auch Aufenthaltsqualität beeinträchtigt, weicht sukzessive einem neuen architektonischen Gesamtbild. Das trinomische GBI-Ensemble, das mit den drei internationalen Marken Adina, Premier Inn und Hampton by Hilton ein diversifiziertes Angebot für verschiedene Zielgruppen schafft, die Quartiersentwicklung „Grand Central“ von Catella in der Erkrather Straße und das „Pandion Francis“ in der Immermannstraße sind nur einige der Mischnutzungsprojekte, die das Areal nachhaltig aufwerten. Ein weiteres Bauvorhaben wird aktuell in der Helmholtzstraße geplant – der Hamburger Projektentwickler Becken wird hier voraussichtlich bis 2023 auf rund 9.000 m² einen hochwertigen Neubau realisieren. Das Unternehmen ist momentan bereits mit dem Bau des Infinity Office, dem neuen Headquarter von Bankhaus Lampe, im
Teilmarkt Kennedydamm betraut.

Die Durchmischung von Alt und Neu sowie von Nutzungen und Mieterstrukturen belebt den Standort und bietet Büronutzern, Besuchern und Bewohnern kurze Laufwege in ansprechender Umgebung. Die Friedrich-Ebert- und Karlstraße werden fußgängerfreundlich gestaltet, sodass Aufenthaltsqualität und Verweildauer erhöht werden. Gleiches gilt auch für andere Plätze wie den Bereich rund um das GBI-Hoteltrio. Durch Gastronomie im Erdgeschoss wird das Areal vitalisiert, sodass sich das Bahnhofsviertel vom Hinterhofimage losreißen und sich zum Hotspot entwickeln kann.

Visitenkarte Vorplatz
Der Konrad-Adenauer-Platz, kurz „KAP“, hat hierbei eine zentrale Schlüsselposition inne. Es gilt, eine attraktive Eingangssituation zu schaffen, die sowohl zur aufstrebenden Lage als auch zur historischen Bausubstanz passt, gestalterische sowie verkehrstechnische Aspekte vereint und als Tor zur Stadt fungieren kann. Damit kann das große Potenzial des Areals aktiviert und der Bahnhof wieder positiv besetzt werden. Eine große Herausforderung, müssen öffentliche Plätze doch die Integration aller Nutzungsgruppen und Fortbewegungsarten gewährleisten, um Raum für Begegnungen sein zu können. Doch schaffen Stadt, Bahn und Projektentwickler den notwendigen Spagat zwischen Nachverdichtung und Freiflächenerhalt, zwischen Modernisierung und Entfremdung?

Öffentlicher Raum trifft Öffentlichkeitsbeteiligung
Und damit wären wir bei einem zentralen Punkt, der über Erfolg oder Misserfolg der Revitalisierung entscheidet: Es geht um Integrationsarbeit im engsten Sinne. Einerseits die Integration der Projektentwicklungen in den städtebaulichen Gesamtkontext, andererseits die Integration der Bürger in den Planungs- und Realisierungsprozess. Beide Kriterien wurden von einem der drei Preisträgerteams, den Arbeitsgemeinschaften GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt mit der Vössing Ingenieursgesellschaft und dem Düsseldorfer Architekturbüro RKW, erfüllt. Ihr Entwurf punktete sowohl durch eine übersichtliche Platzgestaltung und dessen hohe Realisierungsfähigkeit als auch durch die Berücksichtigung diverser Ideen aus der Bürgerbeteiligung.

Betrachten wir die Siegerentwürfe, fällt der Blick auf den geplanten Tower, der den denkmalgeschützten ehemaligen Wasserturm flankieren soll. Ambitionierte Leuchtturmprojekte wie diese können zu mehr Strahlkraft verhelfen. Und dies führt uns letztlich von der Idee über die Integrationsarbeit hin zur Identifikation. Was möchte Düsseldorf sein? Internationale Metropole oder Dorf an der Düssel? Die Hochhausdebatte wird damit wieder präsent – auch das „Pandion Francis“ wird mit einem 50 Meter hohen Büroturm ein Landmark Building und damit eine neue städtebauliche Dominante umfassen, die den Stadteingang städtebaulich und architektonisch betonen und aufwerten soll. Doch was macht das mit dem Teilmarkt?

Bereits vor Fertigstellung sind erste positive Effekte zu spüren: Das Viertel rückt als Unternehmens- und Wohnsitz in den Fokus der Nutzer, das Preisniveau nimmt weiter an Fahrt auf. Der Zug ist demnach noch lange nicht abgefahren. Die Eigentümer noch renovierungsbedürftiger Gebäude sollten sich jedoch zeitnah dazu entscheiden, auf eben diesen Zug aufzuspringen und die Objektqualität dem aufstrebenden Umfeld anzupassen, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Ziehen alle an einem Strang, wird sich letztlich zeigen, wohin die Reise geht und ob die Stadt sich neu erfindet.

 

Teilmarkt Düsseldorf - der Hauptbahnhof im Überblick

Ähnliche Beiträge