Savills im Dialog mit Jan-Niklas Schroers

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Savills im Dialog: Jan-Niklas Rotberg über Berlins Weg vom Talent zum Tech Hub

Ein inspirierendes, dynamisches Geschäftsumfeld, ein Talentpool, ein entsprechender Lebensstil und eine optimale Verkehrsanbindung machen eine Stadt attraktiv für Top-Unternehmen. Jan-Niklas Rotberg beschäftigt sich mit der Frage, wie Berlin mit anderen Metropolen mithalten kann.

Der aktuelle Report „Tech Cities in Motion“ hat die bedeutendsten Technologie-Metropolen der Welt ermittelt. Insgesamt 30 Metropolen wurden anhand von 100 individuellen Kennzahlen in sechs Kategorien (Geschäftsumfeld, Technologieumfeld, City Buzz & Wellness, Talentpool, Immobilienkosten und Mobilität) untersucht, wobei jede Kategorie gewichtet nach ihrer Bedeutung für den Technologiesektor in die Bewertung einfloss. Während New York zur Top-Adresse für Unternehmen gekürt wurde, belegte Berlin nur den 16. Platz.

Ein inspirierendes, dynamisches Geschäftsumfeld, ein Talentpool, ein entsprechender Lebensstil und eine optimale Verkehrsanbindung - All diese Faktoren machen eine Stadt attraktiv für Top-Unternehmen. Wie kann Berlin mit Metropolen wie New York mithalten? Jan-Niklas Schroers, Teamleader Office Agency Berlin, berichtet über das Potenzial der Hauptstadt und verrät, wo es für ihn den besten „Flat White“ gibt.

Warum landet Berlin im Tech-City Report nur im Mittelfeld und was muss sich in Zukunft verändern?
Als Wirtschaftsstandort kann Berlin noch nicht mit den internationalen Metropolen mithalten. Das zeigt auch das Abschneiden der Hauptstadt in der Kategorie „Business Environment Ranking“ auf den hinteren Plätzen. Im Metropolen-Vergleich gibt es hier wenig Arbeitsplätze für Mitarbeiter im Bereich Finanzen und Business. Dabei ist ein echter Vergleich aber schwierig, da das Einzugsgebiet der amerikanischen und asiatischen Metropolen deutlich größer ist als das Berlins. Dies ist mitunter auch historisch bedingt und man muss bedenken, dass Berlins Dynamik erst in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen hat. Außerdem spielt die föderale Struktur Deutschlands eine Rolle. Während in England London das Powerhouse ist und in Frankreich Paris, hat Deutschland mehrere bedeutende Powerhubs. Berlin ist aber die
Start-up Hauptstadt Deutschlands und wird sich als Powerhouse im Kontext von Tech Cities weiter hervortun. Ein wichtiger Punkt, in dem sich die Spreemetropole verbessern muss, ist die internationale Anbindung. Gemessen an den anderen Metropolen können die Berliner Flughäfen durchschnittlich fast nur die Hälfte an Passagieren pro Jahr aufweisen. Hier müssen mehr internationale Direktverbindungen geschaffen werden, um Berlin als Reisehub in die Welt zu etablieren. Dadurch würde auch mehr Venture Capital in die Stadt gelockt werden. Eine baldige Eröffnung des Flughafen Berlin (BER) wäre daher wünschenswert.

Wird die voranschreitende Attraktivität der Stadt zu einer Preisexplosion wie in New York oder San Franzisco führen?
Derzeit sind die Wohn- und Arbeitsplatzkosten in Berlin deutlich niedriger als in anderen internationalen Metropolen. Hier schnitt die deutsche Hauptstadt mit Platz 8 im Ranking gut ab. Aber es steht nicht unendlich Platz innerhalb der Stadt zur Verfügung. Schon jetzt liegt die Leerstandsquote bei Büroimmobilien lediglich bei 1,5 % und sinkt stetig. Berlin muss seine immobilienwirtschaftliche Power nutzen und seine Potenziale ausspielen. Wichtig dabei ist, in der Zukunft im Wohn- und Bürosegment mehr zu bauen, wobei der Fokus in Anbetracht begrenzter Flächenverfügbarkeiten, vor allem innerhalb des S-Bahn Rings, auf den Hochhausbau gelegt werden sollte. Mit den richtigen Entscheidungen in Bezug auf Investitionen in die Infrastruktur und der Ausschöpfung potenzieller Flächen wird Berlin seine Position unter den globalen Tech Cities weiter ausbauen.

Wie kann Berlin im „War for Talents“ punkten?
Die Hauptstadt hat insbesondere in der Kategorie „city buzz & wellness“ mit dem zweiten Platz sehr gut abgeschnitten. Das liegt an der einmaligen urbanen Atmosphäre der Stadt. Längst ist das Berliner Lebensgefühl zum wesentlichen Alleinstellungsmerkmal der Stadt geworden. Auch in Zukunft werden deshalb weiterhin Talente aus aller Welt hierherziehen, sodass sich die Metropole auch im „War for Talents“ durchsetzen kann. Wenn der Talent-Hub zunimmt, tut dies auch der Tech-Hub. Dass Berlin für Talente weiterhin ein interessantes Pflaster ist, zeigt übrigens auch der Flat White‘-Index der im Rahmen der Tech Cities Untersuchung erhoben wurde. Als Indikator für ein Umfeld, das Talente anzieht, die für den Aufbau einer starken Technologie- und Gründerszene erforderlich sind, bestimmt der Index über eine gesunde Cafékultur. In dieser Kategorie, in der Berlin den fünften Platz belegte, werden sowohl die Qualität der Cafés als auch die Kosten für einen „Flat White“ bewertet.

Wo gibt es denn den besten „Flat White“ in Berlin?
Also für mich gibt es den im Café Sets auf der Schlüterstraße.

Zur ausführlichen Auswertung des Tech Cities Report für Berlin.

 

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