Berlin: Startup Hauptstadt auf wackligen Säulen?

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Berlin: Startup Hauptstadt auf wackligen Säulen?

Berlin ist ein Eldorado für Startups. Doch Flächenmangel und steigende Mietpreise machen es den jungen Unternehmen immer schwerer, geeignete Büros zu finden. Kann die Spreemetropole dauerhaft Deutschlands Gründerhauptstadt bleiben?

030 – Der Garant für boomende Geschäfte?
Immer mehr Menschen zieht es zum Leben und Arbeiten in die deutsche Bundeshauptstadt. Insbesondere Trendviertel wie Neukölln, Kreuzberg oder Friedrichshain stehen im Fokus der neuen, häufig jungen, Bewohnerschaft. Doch nicht nur sie entdecken die vielseitigen Kieze für sich, sondern mit ihnen auch Unternehmen, die sich dem Flair der Spreemetropole nicht entziehen können. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der internationale Musikkonzern Sony Music mit seiner deutschen Unternehmenszentrale nach Schöneberg zieht – und sich somit gegen den alten Standort München entschieden hat. Gerade für junge Unternehmen und Startups scheint Berlin mit seiner ausschweifenden Kreativ- und Alternativszene der „Place to be“ zu sein. Monatlich werden in Deutschland durchschnittlich 130 Startups angemeldet, allein 28,5 % davon in der Spreemetropole. 2018 wurde demzufolge
alle 14 Stunden ein neues Startup in der Hauptstadt hochgezogen. Nach einer Studie des Deutschen Startup Monitors (DSM) hebt sich Berlin mit einem deutschlandweiten Anteil von 16,8 % als Hauptregion junger Unternehmen deutlich von anderen Gründungsstandorten ab. Jedoch wird es gerade für sie zunehmend schwieriger, sich vor Ort zu etablieren.

Günstig in der Vergangenheit, unbezahlbar in der Zukunft?
Früher sind junge Gründer hauptsächlich aus einem Grund nach Berlin gekommen: Hier fanden sie ein Umfeld vor, welches ihren Vorstellungen entsprach. Jung, kreativ und vor allem günstig. Zudem wurden sie bei der Suche nach angesagten Räumlichkeiten mit Loft- oder Industriecharme in Stadtteilen wie Mitte, Friedrichshain oder Kreuzberg fündig. Vor Ort trafen bezahlbare Flächen, die dazu auch noch zentral gelegen und gut angebunden sind, auf den belebenden Gründer-Spirit. Doch diese Zeiten scheinen der Vergangenheit anzugehören. Die Mieten in Berlin steigen momentan rasant an, die Nachfrage wird immer größer und auf dem Immobilienmarkt wird es immer enger. Die derzeitige Leerstandsquote in der Hauptstadt liegt bei nur noch 1,5 %. In den genannten Stadtteilen bezahlen Mieter heute im Durchschnitt 28,10 €/ m² (Mitte), 26,20 €/ m² (Friedrichshain) und 23,20 €/ m² in Kreuzberg. Vor nur fünf Jahren lag die Spitzenmiete bei 23,30 €/m² und somit auf dem Niveau der heutigen Durchschnittsmiete (Spitzenmiete im ersten Quartal 2019: 36,10 €/ m²). Unter den deutschen Top-7-Standorten ist Berlin bereits die Stadt mit der höchsten Durchschnittsmiete. Nur die Spitzenmieten in Frankfurt (40,50 €/ m²) und München (36,50 €/ m²) sind noch höher. Gerade in der Planungs- und Gründungsphase sind diese Preise für viele junge Unternehmer nicht mehr bezahlbar. Ähnliche Probleme stehen ihnen beim ‚War for Talents‘ im Weg: Startups haben große Probleme, geeignetes Personal zu finden, da sie zum einen häufig auf Flächen in den peripheren Teilmärkten ausweichen müssen, die wenig attraktiv für die Arbeitnehmer sind, und zum anderen sind sie teils nicht mehr in der Lage, die nachgefragten Gehälter zahlen zu können.

Kein Platz für Startups?
Startups stehen nicht nur vor der Frage, wie sie die Miete zahlen, sondern ob sie überhaupt eine passende Bürofläche finden und anmieten können. Durch den geringen Leerstand in Berlin müssen sich die Unternehmen mittlerweile sogar auf Flächen bewerben und die Eigentümer erleben erstmals die für sie luxuriöse Situation, aus unzähligen Bewerbungen die besten und zahlungskräftigsten Kandidaten für ihre Immobilien aussuchen zu können. Startups sind dabei häufig die letzte Wahl.

Coworking als erste Anlaufstelle für junge Unternehmen?
Grundsätzlich ist es daher für neu gegründete Unternehmen empfehlenswert, vorerst Flächen in einem Coworking Space zu belegen. Hier wird ihnen noch ein gewisses Maß an Flexibilität gewährt, sodass sie den Bedarf je nach Entwicklung anpassen können. Doch auch auf dem Coworking-Markt wird es zunehmend schwieriger, passende Flächen zu finden. Das Angebot und die Nachfrage haben auch in diesem Segment mittlerweile stark zu genommen, so dass die Preise auch hier steigen und der Markt teilweise intransparent geworden ist. Einen sinnvollen Überblick schaffen hier digitale Plattformen, die bei der Suche nach flexiblen Arbeitsräumen unterstützen können.
Wird jedoch ein fester Unternehmensstandort präferiert, empfiehlt es sich, bereits vor der Immobiliensuche alle notwendigen Unterlagen und Dokumente zusammen zu suchen. Hierzu zählen: Creditreformauskunft (Crefo), die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA), ein Unternehmensprofil sowie Auskünfte über die eigenen Investoren. Bei der Standortwahl müssen Nutzer nicht nur auf die Lage achten, sondern auch für die Eigentümerlandschaft am Markt sensibilisiert sein. So gibt es viele Vermieter, die grundsätzlich Unternehmen unter drei Jahren oder mit einem Crefo-Score über 250 nicht annehmen. Häufig werden zudem Mindestmietlaufzeiten von ca. fünf Jahren vorausgesetzt. Es gilt solche Vermieter schon im Vorhinein auszusortieren und somit den Suchprozess zu optimieren und effizienter zu gestalten. Oft bekommen Startups über diesen Weg auch Flächen zur Untermiete vermittelt. Die Laufzeiten hierbei sind meistens Monate bzw. wenige Jahre begrenzt – perfekt für junge Unternehmen, die sich nicht lange binden wollen und unsicher sind, wie schnell sie wachsen.

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