Verkaufsfläche ade: Ist weniger vielleicht mehr?

Verkaufsfläche ade: Ist weniger vielleicht mehr?

Die deutsche Einzelhandelslandschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel, ausgelöst vor allem durch den technologischen Fortschritt und sich wandelnde Konsumgewohnheiten. Das Resultat: überflüssige Verkaufsfläche.

Ein Blick in die Vereinigten Staaten sorgt bei deutschen Einzelhändlern für deutlich sichtbare Sorgenfalten: Tausende von Ladengeschäften sollen jenseits des Atlantiks geschlossen werden, leerstehende Shopping-Center gehören bereits zur Tagesordnung. Bilder dieser sogenannten Dead Malls haben weltweit für Aufsehen gesorgt. Werden wir eine solche Entwicklung trotz der deutlich geringeren Verkaufsfläche pro Kopf auch bei uns erleben?

 

Eine Sättigung des deutschen Marktes ist zumindest heute schon zu beobachten. Während die Verkaufsfläche seit 1990 kontinuierlich angestiegen ist, hat das Flächenwachstum zuletzt deutlich an Dynamik verloren. Wurden beispielsweise in den vergangenen zwei Jahrzehnten jedes Jahr noch durchschnittlich mehr als zehn neue Shopping-Center eröffnet, waren es im vergangenen Jahr nur drei. Das laufende Jahr wird mit voraussichtlich vier Neueröffnungen ebenfalls weit hinter den Zahlen der Hochphase zurückbleiben. Und auch bei den meisten anderen Einzelhandelsformaten hat der Expansionsdrang spürbar nachgelassen.

 

Dies zeigt: Auch die deutsche Einzelhandelslandschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel, ausgelöst vor allem durch den technologischen Fortschritt und die sich auch dadurch wandelnden Konsumgewohnheiten. Insbesondere der dynamische Online-Handel konnte in den vergangenen Jahren Marktanteile zu Lasten des traditionellen Einzelhandels gewinnen. Lösungsansätze wie die Digitalisierung des Point of Sale führen zu neuen, tendenziell kleineren Ladenkonzepten, indem beispielsweise Tablets im Laden zur digitalen Sortimentserweiterung eingesetzt werden und somit zu einer Reduktion der benötigten Verkaufsfläche führen. Darüber hinaus dürfte die Fokussierung auf den Erlebniseinkauf eine aufwertende Standortkonsolidierung mit sich bringen, das heißt konsequentes Schließen von Filialen in schlechten beziehungsweise mittleren Lagen und die Konzentration auf Shops in guten Lagen. Bereits 2014 prognostizierte der Einzelhandelsverband HDE eine Schließung von 50.000 Geschäften, insbesondere in Klein- und Mittelstädten.

Das Resultat: überflüssige Verkaufsfläche. Erste Umnutzungsversuche sind am steigenden Gastronomie- und Entertainmentanteil in Shopping-Centern heute schon zu erkennen, das Alexa in Berlin wandelt einen kleinen Teil der bisherigen Einzelhandelsfläche sogar in Lagerfläche um und auch die Etablierung von Co-Working Spaces in Shopping-Centern stellt eine alternative Nutzungsmöglichkeit dar. Um eine Entwicklung wie in den USA zu verhindern gilt es also, überflüssige Einzelhandelsfläche frühzeitig umzuwidmen. Wer hier das beste Konzept entwickelt und am schnellsten reagiert, dürfte am Ende als Gewinner hervorgehen beziehungsweise weiterhin am Platz bleiben.  

 

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