Text: Matti Schenk
Wer einen Überblick über die Struktur des deutschen Wohnungsmarktes erlangen möchte, für den sind die Ergebnisse des Zensus aus dem Jahr 2011 trotz ihres Alters bis heute eine gute Anlaufstelle. Hieraus lassen sich flächendeckende Informationen zur Wohnungsnutzung, aber auch zur Eigentümerstruktur gewinnen. Laut den Zensusdaten gab es in Deutschland im Jahr 2011 etwa 40,6 Millionen Wohnungen in Gebäuden mit Wohnraum. Rund 17,3 Millionen aller Wohnungen wurden von den Eigentümern bewohnt. Etwa 21,2 Millionen Wohnungen, also rund 52 %, wurden zu Wohnzwecken vermietet. Fast 81 % bzw. rund 17,1 Mio. Mietwohnungen befanden sich in Mehrfamilienhäusern (3 und mehr Wohnungen im Gebäude). Etwa 1,9 Millionen Wohnungen standen seinerzeit leer und circa 225.000 wurden als Ferien- oder Freizeitwohnungen genutzt.
Seit der Erhebung dieser Daten dürfte sich an den grundlegenden Strukturen am deutschen Wohnungsmarkt nur wenig verändert haben. Zum einen stieg der Wohnungsbestand zwischen dem Erhebungsstichtag des Zensus und dem Jahr 2017 um lediglich rund 3,5 % bzw. 1,42 Millionen an – für strukturverändernde Effekte zu wenig. Im selben Zeitraum wechselten hochgerechnet etwa 200.000 Mehrfamilienhäuser bzw. etwas mehr als 6 % des bundesweiten Bestands den Eigentümer. Für eine nennenswerte Veränderung der Eigentümerstruktur am Mietwohnungsmarkt sind auch diese Zahlen zu gering. Die Zensus-Daten liefern somit auch heute noch Erkenntnisse zur Eigentümerstruktur und zur Größe des Mietwohnungsmarktes. Diese Erkenntnisse wollen wir im Folgenden erläutern (wir beziehen uns dabei auf die Zensus-Zahlen aus dem Jahr 2011, schreiben aber der besseren Lesbarkeit wegen im Präsens).
Deutliche regionale Unterschiede bei der Größe von Mietwohnungsmärkten
Der deutsche Wohnungsmarkt ist ein Mietwohnungsmarkt. Das gilt aber längst nicht für alle Kreise Deutschlands. So wird in den saarländischen Landkreisen Merzig-Wadern und St. Wendel nur gut jede vierte Wohnung vermietet. Unter den zwanzig Kreisen mit den am schwächsten ausgeprägten Mietwohnungsmärkten finden sich ausschließlich westdeutsche Landkreise. Demgegenüber liegen von den zwanzig Kreisen mit den anteilig größten Mietwohnungsmärkten dreizehn in den neuen Bundesländern (ohne Berlin). Hierbei handelt es sich ausnahmslos um kreisfreie Städte (siehe Tabelle „Höchste und niedrigste Mietwohnungsanteile bundesweit“). Im Durchschnitt sind in den kreisfreien Städten 65 % aller Wohnungen Mietwohnungen. In sechs kreisfreien Städten sind es hingegen weniger als 50 %. Dies ist der Fall in Salzgitter, Zweibrücken, Schwabach, Delmenhorst, Emden und Neustadt an der Weinstraße. In den Landkreisen beträgt der Anteil von Mietwohnungen im bundesweiten Mittel nur rund 40 %. Nur in 29 von 294 Landkreisen sind Mietwohnungen in der Mehrzahl, darunter die Städteregion Aachen und die Region Hannover, die beide durch ihre namensgebende Kernstadt geprägt sind.
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