Wohnimmobilien werden für Investoren noch attraktiver

Research Artikel

Wohnimmobilien werden für Investoren noch attraktiver

Text: Matti Schenk

Ein Dach über dem Kopf zu haben, zählt zu den existenziellen Grundbedürfnissen von uns Menschen. Wohnimmobilien bieten uns genau das und sind somit ein nicht substituierbares Gut. Von Kapitalanlegern wird ihnen deshalb relative Sicherheit zugesprochen. Die vergleichsweise stabilen Wohnungsmieten sind ein Ausdruck dieser Sicherheit. So schwankten die durchschnittlichen Mieten für Bestandswohnungen in den westdeutschen A-Städten seit dem Jahr 1976 statistisch nur etwa halb so stark wie die Büromieten derselben Städte*. Auch im Zuge der COVID-19-Pandemie und der zu erwartenden Rezession ist damit zu rechnen, dass die Wohnungsmieten vergleichsweise stabil bleiben.

In Krisenzeiten ist das Begrenzen von Risiken bei vielen Investoren oberstes Gebot. Diese Suche nach Sicherheit hat dazu geführt, dass die Renditen für risikoarme Kapitalanlagen, wie beispielsweise von Staatsanleihen bonitätsstarker Länder, auf ein rekordniedriges Niveau gefallen sind. Durch das Ankaufsprogramm der EZB im Umfang von zusätzlich rund 750 Mrd. Euro werden die Wertpapierrenditen nicht nur niedrig gehalten, es werden auch private Investoren verdrängt. Diese wiederum müssen sich nach Alternativen umsehen, wodurch der Anlagedruck am Immobilienmarkt noch steigen dürfte (siehe:
An der Asset-Klasse Immobilien führt weniger denn je ein Weg vorbei – vor allem in Deutschland). Weil Wohnimmobilien im Vergleich zu anderen Immobilienarten eine besonders hohe Stabilität der Erträge aufweisen, dürften sie davon in Verbindung mit der hohen Risikoaversion der Investoren in besonderem Maße profitieren. Der Charakter der Wohnimmobilie – schwankungsarme Erträge, aber auch nur geringe Chancen auf kurzfristige Wertsteigerungen – spricht zudem für ein längerfristiges Engagement der Investoren.

Hinzu könnte kommen, dass die COVID-19-Pandemie und ihre Begleiterscheinungen den Status der Wohnung als existenzielles, nicht substituierbares Gut sogar noch stärken. Die Lockdown-Erfahrung könnte zu einer Aufwertung der Wohnung als Lebensmittelpunkt führen und zusammen mit weiteren Effekten wie der steigenden Akzeptanz des Homeoffice zu einem höheren Wohnflächenbedarf führen (siehe: Größer, grüner, günstiger: Die Peripherie wird gestärkt). Sollten sich solche Effekte abzeichnen, würde dies den Wohnungssektor für Investoren zusätzlich attraktiv machen.

* Der Variationskoeffizient der jährlichen Veränderungsrate der Wohnungsmieten liegt für den Zeitraum 1976 bis 2019 bei 1,18. Bei Büroimmobilien beträgt er im gleichen Betrachtungszeitraum 2,08.