Text: Nils Neukranz - EBS Universtität für Wirtschaft und Recht
Im Zuge der COVID-19-Pandemie und den damit verbundenen Vorgaben der deutschen Regierung zur Kontaktreduzierung wurde ein außergewöhnliches Homeoffice-Experiment angestoßen. Dieses Experiment hat maßgebliche Verhaltensänderungen bei Arbeitnehmern und -gebern hervorgerufen, die den Büromarkt langfristig drastisch verändern könnten.
Knapp ein Drittel derer, die in der Corona-Krise von zu Hause aus arbeiten, tut dies laut einer Immowelt-Befragung erstmalig. Wenn aus dieser Situation positive Erfahrungen mit virtuellen Arbeitsweisen gesammelt werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass eine teilweise Beibehaltung der virtuellen Zusammenarbeit und Kommunikation die Pandemie überdauert. Dies dürfte nicht nur den Trend zum Homeoffice, sondern auch zu Flexible Workspaces begünstigen. Denn im Homeoffice dürfte die fehlende räumliche Trennung zwischen Beruf und Privatleben auch die gedankliche Trennung der beiden Lebensbereiche erschweren. Vor allem in größeren Städten, wo der eigene Wohnraum begrenzt ist, ist es für Beschäftigte vermutlich schwierig, in den eigenen vier Wänden nach der Arbeit im Homeoffice gedanklich abzuschalten.
Flexible Workspaces in der Nähe des Wohnortes würden eine räumliche Trennung zwischen Wohnung und Büro erlauben, ohne den Vorteil des kurzen Arbeitsweges zu opfern. Sie bieten außerdem eine produktive Arbeitsumgebung und erlauben einen Offline-Austausch mit anderen. Wenn es Menschen gibt, die in Flexible Workspaces das bessere Arbeitsumfeld sehen als in klassischen Unternehmensbüros oder Homeoffice, dann werden Flexible Workspaces zum Instrument für das Gewinnen und Halten von Mitarbeitern, was einen Anreiz für Unternehmen schafft, Beschäftigten zumindest teilweise die Möglichkeit zur Arbeit im Flexible Workspace zu gewähren. Auch sollten sich so die in der Arbeitsstättenverordnung geregelten Anforderungen an die Sicherheit und den Schutz der Beschäftigten am Arbeitsplatz einfacher umsetzen lassen als im Homeoffice.
Ein Hybrid-Modell, welches das Arbeiten sowohl im Unternehmensbüro als auch in Flexible Workspaces in Wohnnähe erlaubt, könnte für viele Unternehmen und Beschäftigte attraktiv sein. Das Angebot an Flexible Workspaces könnte einer solchen Nachfrage zügig folgen. Flexible Workspaces zeichnen sich nämlich durch geringe Markteintrittsbarrieren aus, da es neben einer geeigneten Fläche, Schreibtischen und einer Internetverbindung nicht viel braucht, um Menschen einen flexiblen Arbeitsplatz anbieten zu können. So haben sich während der Corona-Krise manche Akteure erstmals als Anbieter von Flexible Workspaces probiert. Seit Beginn der Pandemie haben beispielsweise immer mehr Hotels, darunter auch die Dorint-Gruppe, versucht, aus der Not eine Tugend zu machen und leere Hotelzimmer als Arbeitsplatz angeboten. Neben Hotels bieten ungenutzte Einzelhandels- und Gastronomieflächen weiteres Potenzial für eine Nachnutzung als Flexible Workspace.
Es ist möglich, dass sich langfristig große Flexible-Workspace-Player durchsetzen, die Ihr Geschäftskonzept im Rahmen einer betrieblichen Partnerschaft oder einer Nutzungsrechtverleihung an Investoren aber auch Gastronomen und Hotels vermitteln, um Nutzern einen standardisierten und funktionierenden Service flächendeckend bieten zu können. Langfristig sollten jene Anbieter überleben, die ein großes Netzwerk besitzen oder an ein solches angebunden sind. Denn je größer das Netzwerk eines Anbieters ist, desto attraktiver wird er für Nutzer.
