Cargo-Kult ums Buero

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Cargo-Kult ums Büro

Im Transformationsprozess in eine hybride Arbeitswelt kann das Büro für die Unternehmen ein wirkmächtiges Instrument sein. Ein Allheilmittel ist es nicht.


Die Melanesier staunten nicht schlecht, als sie während des 2. Weltkriegs zum ersten Mal Flugzeuge sahen. Nicht weniger staunten sie über die an Fallschirmen hängenden Kisten, die anschließend auf ihren Inseln landeten. Schon bald zimmerten sie fleißig Flugzeuge aus Brettern zusammen und ahmten das Verhalten der alliierten Soldaten nach, denen sie zuvor ebenfalls erstmals begegneten. Dadurch, so glaubten sie, würden weitere wundersame Geschenke vom Himmel fallen, obwohl die Soldaten, für die diese Fracht bestimmt war, längst abgezogen waren. Ein solches Verhalten, also durch bestimmte und vollkommen wirkungslose Handlungen oder Symbole reale Effekte herbeiführen zu wollen, wird seitdem als Cargo-Kult bezeichnet.

Den naiven Irrglauben der Melanesier mögen wir belächeln, doch bis heute tappen auch wir immer wieder in die Cargo-Kult-Falle. Aktuelles Beispiel: Das Büro gilt offenbar mehr und mehr als Allheilmittel, mit dem sich die Menschen aus ihren Homeoffices wieder an ihre angestammten Arbeitsplätze locken lassen. Schickes Büro gleich weniger Abstinenz, so die Rechnung mancher Unternehmenslenker. Die anderen Faktoren, weswegen die Menschen das Unternehmensbüro möglicherweise meiden – mangelnde Kommunikation, schlechte Führung, fehlender Sinn und all die Dinge, die Unternehmenskultur ausmachen – bleiben unberücksichtigt. Wir Immobilienleute bestärken die Unternehmen in ihrer einfachen Rechnung häufig noch, schließlich kann es zu unserem Schaden nicht sein. Oder vielleicht doch? Was, wenn das Ganze früher oder später als der Cargo-Kult enttarnt wird, der es ist? Ob wir die Unternehmen dann immer noch davon überzeugen können, dass teure Büros mehr als nur ein Symbol sind?

Nun sind Büros anders als die Holzflugzeuge der Melanesier keine Attrappen. Im Gegenteil: Im Transformationsprozess in eine hybride Arbeitswelt kann das Büro für die Unternehmen ein wirkmächtiges Instrument sein. Es kann dabei helfen, die Produktivität und das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu befördern. Es kann auch ein wichtiger Bestandteil einer attraktiven Unternehmenskultur sein. Dass die meisten Unternehmen das inzwischen erkannt haben, ist für die Immobilienbranche eine große Chance. Vorbei die Zeiten, in denen das Büro in erster Linie als Kostenfaktor gesehen wurde. Heute ist es Produktivitäts- und Wohlfühlfaktor, für den die Unternehmen gutes Geld zu zahlen bereit sind. Doch auch das beste Büro bleibt reine Fassade und wird letztlich wieder zum Kostenfaktor degradiert, wenn sich in den Unternehmen auf dem Weg in eine Hybridarbeitswelt nur das Büro ändert und ansonsten alles beim Alten bleibt.

Dieser Beitrag erschien am 08.09.2022 in einer leicht anderen Fassung zunächst in der Immobilien Zeitung Ausgabe 36/2022.

 

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