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Sei kein Frosch

Matthias Pink, Head of Research Germany, über die Parallelen zwischen dem nordamerikanischen Waldfrosch, der aktuellen Lage am Immobilienmarkt und dem Krisenverhalten von Immobilienmarktakteuren.

Es hört sich unglaublich an, ist aber wahr: Der nordamerikanische Waldfrosch erstarrt im Winter, wo Umgebungstemperaturen von bis zu minus 20 Grad herrschen, selbst zu Eis. Die meisten seiner Organe, inklusive Herz und Hirn, arbeiten nicht. Der Frosch ist praktisch tot. Dass er das nicht ist, merkt man erst im Frühjahr, wenn er wieder auftaut.

Warum ich Ihnen das erzähle? Nun, auch der Immobilienmarkt fror mit Beginn der Zinswende weitgehend ein und scheint tot zu sein. Ist er aber nicht. So wie der Waldfrosch im Frühjahr wird auch der Immobilienmarkt wieder auftauen. Ganz gewiss. Der Abschwung ist real, keine Frage. Doch so sicher, wie auf jeden Winter der Frühling folgt, kommt nach jedem Abschwung ein Aufschwung.

Die Geschichte vom Eisfrosch taugt aber nicht nur als Metapher für den Immobilienmarkt. Auch wir sind dieser Frosch. Im Angesicht einer Krise erstarren wir oft, werden handlungsunfähig. Der Unterschied: Was für den Frosch überlebensnotwendig ist, ist für uns eine denkbar schlechte Strategie. Wir reagieren instinktiv dennoch so, weil es unseren Urahnen, den Jägern und Sammlern in der afrikanischen Steppe, beim Erblicken eines Säbelzahntigers genauso beim Überleben half wie heute dem Eisfrosch. Für uns neuzeitliche Menschen ist Angst ist jedoch selten ein guter Ratgeber. Schon gar nicht die Angst vor einer Immobilienkrise – dort wird sie zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Wenn wir allesamt erstarren, wie soll sich dann der Markt bewegen?

Merken Sie was? Es ist unsere Wahrnehmung, die die Realität gestaltet. Wenn wir unsere ganze Aufmerksamkeit der Krise widmen, wird sie größer und größer, bis wir meinen, in einen Abgrund zu schauen. Wie gesagt: Der Abschwung ist real und wir können ihn nicht Kraft unserer Gedanken ungeschehen machen. Solche Krisen sind aber selten so groß wie wir glauben – allerlei Denkfallen, die in der Psychologie unter Fachbegriffen wie „recency bias“, „straight line instinct“ oder „confirmation bias“ bestens erforscht sind, lassen aus dem Abschwung den furchteinflößenden Abgrund werden. Und wer am Rande eines Abgrunds steht, bleibt tatsächlich besser stehen. Es erfordert also eine gewisse Portion Mut, dennoch weiterzulaufen. Doch wer das tut, der merkt schon nach dem ersten Schritt: Der vermeintliche Abgrund ist bloß ein Tal und Täler lassen sich durchwandern. Schon mit dem ersten Schritt gewinnen wir das Vertrauen in unsere Handlungsfähigkeit zurück und genau darum geht es: unseren trügerischen Instinkten zu misstrauen, die Realität, wie sie ist, bereitwillig zu akzeptieren und uns auf unser Handeln zu konzentrieren – nicht mehr und nicht weniger. Wem das gelingt, der wird belohnt. Oder was glauben Sie, wer am Ende die höhere Rendite einfahren wird: Derjenige, der mitten im euphoriegetriebenen Boom investiert, wenn alle das tun? Oder derjenige, der es jetzt tut und einer der wenigen ist? Auch Verkäufer, Mieter und die anderen Immobilienmarktakteure – wir alle – gewinnen nichts, wenn wir uns totstellen.
In diesem Sinne: Seien Sie kein Frosch, schütteln Sie das Eis ab und machen Sie den ersten Schritt.

Dieser Beitrag erschien am 29.03.2023 zunächst auf Immobilienmanager.de

 

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