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Wachsender Life Science Markt als Chance für den Immobiliensektor

Deutschland gilt als der wichtigste europäische Markt im Bereich Life Sciences. Was die Standortvorteile des Landes sind, welche Rolle GMP Produktionsstandards spielen und welche Investitionsmöglichkeiten der Markt bietet, erläutert die Savills Expertin Emily Colquhoun.

Der deutsche Pharmamarkt ist nicht nur der größte in Europa und nach Marktanteil auf Platz vier weltweit, sondern er wächst auch stetig. Einen Teil der Gesundheitsversorgung stellt die Produktion von Arzneimitteln dar, die eng mit Forschung und Entwicklung im Life Science Sektor verbunden ist und die Bereiche Bio-, Pharma- und Medizinforschung beinhaltet.

Spätestens seit der Corona-Pandemie hat der Life Science Sektor eine stetig hohe wirtschaftliche Relevanz, insbesondere im Hinblick auf die globale Distribution von Medikamenten. Die schnelle Verbreitung von Covid-Impfstoffen zeigte die Wichtigkeit nahtloser Lieferketten, bei denen Unternehmen sich jedoch zunehmend auf die europäische Produktion verlassen anstatt auf fragile globale Lieferketten.

Standortfaktor Europa
Eine nicht zu unterschätzende Rolle für den europäischen Markt spielt die European Medicines Agency (EMA), die mit ihrem robusten gesetzlichen Rahmenwerk hohe Qualitätsstandards und Konstanz garantiert. Weitere Gründe, auch für größere Firmen, auf europäische Produktion zu setzen, sind der nationale Output von Forschung und Entwicklung, die Verfügbarkeit von Genehmigungen oder Lizenzen sowie das Angebot an qualifiziertem Personal. Zudem können die nationale oder regionale Steuerlast sowie die staatlichen Förderungen oder Investitionen einen zusätzlichen Faktor darstellen.

Der wichtigste Markt in Europa ist dabei Deutschland. Einerseits gibt es hier eine demographisch alternde Gesellschaft, was zu höheren Patientenzahlen führt – dementsprechend auch zu höherer Nachfrage an medizinischen Lösungen. Andererseits eröffnen auch die Digitalisierung sowie die Entwicklung neuer Produktionsprozesse und Materialien laufend neue Forschungs- und Produktsparten, die für Wachstum sorgen.

Hinzu kommt der insgesamt hohe Bildungsstand in Deutschland sowie die enge Verzahnung von Universitäten, Forschungsinstituten, Krankenhäusern und Produktionsunternehmen, die zu einer stetigen Weiterentwicklung des Sektors führen. Essenziell ist hier auch die Kombination aus staatlicher Förderung und der Reinvestition von privaten Gewinnen in Forschung und Entwicklung.

Bio-Regionen in Deutschland
Hierzulande gibt es über 30 verschiedene sogenannte „Bio Regions“, regionale Initiativen zur Förderung der modernen Biotechnologie mit Kooperationen zwischen Universitäten, F&E – Instituten sowie Privatunternehmen. Köln und München führen dabei die Liste der Top-Städte an – insgesamt zehn der hundert wichtigsten globalen Cluster befinden sich in Deutschland. Weitere Schlüsselmärkte sind die Schweiz, Niederlande, Belgien, Irland und Großbritannien.

Standards für Produktionsstandorte
Die Cluster bieten ideale Bedingungen für die Gründung von Start-Ups oder die lokale Vernetzung von bereits etablierten Unternehmen und sorgen für einen erhöhten Bedarf an Spezialimmobilien. Dieser hohen Nachfrage zu begegnen, stellt für die Immobilienbranche eine Herausforderung dar. Die Wahl von Produktionsstandorten folgt dabei spezifischen Anforderungen, genannt Good Manufacturing Practice (GMP).

GMP lässt sich beschreiben als eine Reihe von Regularien und Richtlinien, die die Einhaltung von Produktionsstandards bei der Herstellung von Pharmazeutika gewährleisten.  GMP-Produktionsstandorte, die meist eigens für diese Zwecke gebaut werden, beinhalten Labor- und Büroflächen sowie Lager- und Produktionsräume mit hohen Hygienestandards und verfügen über adäquate Distributionsmöglichkeiten. Aufgrund der zahlreichen Richtlinien ist die Etablierung eines GMP- Standorts bzw. einer Life Science Forschungs- oder Produktionsstätte in der Regel kompliziert und anspruchsvoll.

Der Cluster Hamburg/Schleswig-Holstein steigerte seine Wertschöpfung von 1,8 Mrd. € im Jahr 2012 auf 5,7 Mrd. € in 2021. Zahlen wie diese zeigen, dass Life Sciences zwar gesamtwirtschaftlich eine Nische darstellen, jedoch kann sich für Investoren das Engagement lohnen. Unter Umständen kann dies bedeuten, komplexere Anforderungen an Gewerbeimmobilien in die Planung einzubeziehen; bei spezialangefertigten Neubauten kann die Investitionsrendite ggf. erst nach längerer Zeit eintreten – dies gilt es bei strategischen Überlegungen zu beachten.

Vielfältige Investitionsmöglichkeiten
Das Wachstum im Life Science Sektor wird nicht nur von großen Firmen mit ihren eigenen Einrichtungen getrieben, sondern auch von kleineren Unternehmen in der Früh- und Gründungsphase. Die Investitionsmöglichkeiten sind also vielfältig - bezogen auf Region, Unternehmenstätigkeit und Unternehmens- bzw. Projektgröße. In Zukunft werden der Life Science Sektor und der Immobiliensektor stärker zusammenarbeiten müssen, um den wandelnden Bedürfnissen der Gesundheitsversorgung entgegenzukommen. Die Möglichkeiten für Investoren sind gegeben, auch wenn GMP- konforme Life Science Immobilien ggf. einen höheren Aufwand im Aufbau oder Umbau erfordern als konventionelle Gewerbeimmobilien. Nur mit der essenziellen Infrastruktur können Life Sciences in Europa weiterwachsen.

 

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