Text: Matthias Pink
Erst eine Krise, dann ein Boom
Hand aufs Herz: Wenn Ihnen vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, dass sich die Immobilienpreise in Deutschland in der kommenden Dekade mindestens verdoppeln würden, hätten Sie’s geglaubt? Damals, am 15. September 2008, beantragte die Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz und sorgte für einen Höhepunkt der Weltfinanzkrise. Diese Krise legte den Grundstein für einen vielleicht beispiellosen Immobilien-Boom, nicht zuletzt in Deutschland. In den zurückliegenden zehn Jahren haben institutionelle Investoren deutsche Wohn- und Gewerbeimmobilien für eine halbe Billion Euro gekauft (Wohnimmobilien für 120 Mrd. Euro Gewerbeimmobilien für 380 Mrd. Euro). Nie zuvor ist innerhalb eines solchen Zeitraumes so viel Geld in den deutschen Immobilienmarkt geflossen. Dieser Nachfrageschub trieb die Preise in einem Maße, wie es wohl niemand erwartet hat. Die Immobilienkapitalwerte praktisch aller Nutzungsarten haben sich in dieser Zeit etwa verdoppelt und damit durch die Bank neue Rekordwerte erreicht.
Ohnehin haben die vergangenen zehn Jahre zahlreiche Rekorde produziert – anfangs wenige Negativrekorde, dann aber viele Rekorde im Positiven. Insofern werden sie einige Einträge in den Geschichtsbüchern hinterlassen. Und auch Geschichten werden sie uns hinterlassen, etwa jene vom Aufstieg Berlins in die Liga der weltweit führenden Investmentstandorte oder die von der Renaissance der Wohnimmobilie als institutionelle Asset-Klasse. Beide wollen wir hier nacherzählen und anreißen, wie die Geschichten weitergehen könnten. Wie es am deutschen Immobilienmarkt insgesamt weitergehen könnte, wie also unser mittelfristiger Ausblick aussieht, erzählen wir in einer dritten Geschichte. So viel vorweg: Ein Crash und ein Boom liegen hinter uns, ein ‚Bang‘ ist bislang noch nicht am Horizont auszumachen.
