Die Covid-19-Pandemie hat das Einkaufsverhalten der Verbraucher hin zum Onlinehandel verstärkt. Bedeutet dies den Anfang vom Ende der Shoppingmeilen in den Innenstädten? Oder ist dies eine Chance, um den Einzelhandel weiterzuentwickeln?
Ein Blick über den Ärmelkanal nach Großbritannien gibt aktuell Hoffnung: Dort ist der Einzelhandel bereits wieder geöffnet und die Kunden drängen in die Geschäfte. Auch in Deutschland steht die Wiedereröffnung bevor oder ist unter Auflagen bereits vereinzelt möglich. In zahlreichen Branchen ist mit Nachholeffekten zu rechnen. Eine Sparquote von derzeit mehr als 16 % dürfte für ein deutliches Umsatzwachstum im stationären Einzelhandel sorgen. Das macht sich im Handelsklima bemerkbar: Dieses konnte im Mai um 26 % zulegen und erreichte damit den besten Wert seit Beginn der Pandemie.
Doch nicht nur mit einem Anstieg der Besucherzahlen in den Innenstädten ist zu rechnen, sondern auch mit einer wieder zunehmenden Nachfrage nach Handelsflächen. Neben den üblichen Faktoren wie Lage und Flächengröße werden zunehmend flexiblere Mietverträge, beispielsweise durch kürzere Laufzeiten oder Umsatzmieten, nachgefragt. Besonders auffällig: Auch Online-Händler zeigen großes Interesse an Ladenflächen. Ob der Fahrradhändler Rose Bikes aus Bocholt oder der Online-Optiker Mr. Spex und der Ledertaschenspezialist Gusti, sie alle profitieren von der aktuellen Marktsituation.
Umgekehrt könnte das beste E-Commerce Kapital von Einzelhändlern vielleicht ihr stationäres Ladennetz sein. Mittlerweile bieten 40 % der US-Einzelhändler Click&Collect-Dienste an, vor der Pandemie waren es lediglich 25 %. Bei Walmart und Target ist das Wachstum im C&C-Segment gar größer als im klassischen Online-Handel.
Trotz oder gerade wegen diesen Entwicklungen wird der stationäre Handel auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil unserer Innenstädte bleiben – doch er sollte die Chance nutzen und sich weiterentwickeln. So muss er den Kunden ein Erlebnis bieten, das über das reine Einkaufen hinausgeht, etwa durch eine Integration komplementärer Nutzungen wie Gastronomie und Pop-Up Stores. Und auch die Innenstädte müssen sich wandeln. Die Umwidmung von Handelsimmobilien in Büros oder Wohnungen kann einen wichtigen Beitrag zu einer dynamischeren, reichhaltigeren und zielgerichteteren Nutzungsmischung leisten. Unsere Städte entwickeln sich so zu Hubs für Verbraucher, die nicht nur den Wünschen nach Einkauf und Erlebnis nachkommen, sondern auch andere soziale Bedürfnisse wie Gesundheit, Bildung und Wohlbefinden erfüllen.
Weitere Informatione in unserer Publikation Re:Imaging Retail




