Die Bedeutung der Logistikbranche wächst stetig und insbesondere Last-Mile Logistik war während der Pandemie stark gefragt. Doch wo fängt die „letzte Meile“ an? In Hamburg häufig im Stadtteil Billbrook.
Mit dem Projekt „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ erweitert der Hamburger Senat sein Stadtentwicklungskonzept: In insgesamt elf Fokusräumen werden Wohn-, Arbeits-, Verkehrs- und Industrieinfrastruktur ausgebaut, um sowohl die wirtschaftliche Dynamik als auch die allgemeine Lebensqualität in der Stadt zu erhöhen. Ein großer Teil der Planungen entfällt auf den Stadtteil Billbrook, dessen integrale Rolle in der regionalen Last Mile Logistik für schnelllebige Konsumgüter (FMCG), darunter vor allem Lebensmittel, besonders hervorzuheben ist. Aber was bedeutet Last Mile Logistik überhaupt? Und warum ist sie für die Zukunft auch für den Teilmarkt im Hamburger Osten so bedeutend?
Last Mile Logistik: Wichtig für den Lebensmittel-E-Commerce
Last Mile Logistik umfasst, vereinfacht dargestellt, den Transport von Waren bis an die Haustür der Kunden. Die zunehmend wichtigere Rolle von E-Commerce und Mobile Shopping stellt ausliefernde Unternehmen in diesem Zusammenhang vor wachsende Herausforderungen hinsichtlich ökonomischer Tourenplanung und Paketzustellung, da Warensendungen schnell zugestellt, aber auch effizient und kostengünstig gebündelt werden müssen.
Mit dem Lebensmittel-E-Commerce zeigen sich dabei einige Synergien. Gerade hier sind zeitliche Faktoren und logistische Prozesse Kernthemen, da für Frischwaren enge gesetzliche Hygienevorschriften vorliegen und die Aufrechterhaltung der Kühlkette bis zum Verbraucher sehr herausfordernd sein kann. Das Ziel: eine zuverlässigere Zustellung zum angegebenen Zeitpunkt bei hoher Flexibilität durch optimierte Schnittstellen zwischen Produktions-, Transport- und Kundenservice-Abteilungen.
Wachstumspotenziale des Online-Lebensmittelhandels
Mit einem Zuwachs von 44 % zeigte sich der FMCG-Sektor in Deutschland zuletzt als Wachstumstreiber, was den Umsatz im Onlinehandel in Deutschland betrifft. Damit nimmt die Branche mittlerweile ein Zehntel des Onlinehandelsvolumens ein. Mit einem Zuwachs von rund 60 % treiben Lebensmittel diese Entwicklung derweil besonders stark an. Die jährliche Online-Wachstumsrate des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland legte hier um über 50 Prozentpunkte von 23 % im Jahr 2019 auf insgesamt 76 % im Jahr 2020 zu.
Und der Blick ins Ausland zeigt: Diese Beobachtung ist kein Einzelfall. In Westeuropa stieg der Online-Anteil beim Verkauf von Lebensmitteln im Jahresverlauf 2020 von 3,4 % auf durchschnittlich 5,3 % und wird bis 2025 voraussichtlich ein Niveau von 12,6 % erreichen. Das lässt sich auch auf Konzepte wie die Lebensmittellieferdienste Amazon Fresh oder HelloFresh zurückführen. Entsprechend groß wird die Rolle des Online-Lebensmittelhandels in Zukunft sein. Neben der Last-Mile-Logistik im Speziellen, wird jedoch auch der Sektor insgesamt seinen stetig wachsenden Stellenwert beibehalten. Das lässt sich nicht zuletzt am neuerlichen Rekordjahr der Branche ablesen, denn noch nie waren die Transaktionsvolumina und der Flächenumsatz so hoch wie heute. Welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um den damit verbundenen Anforderungen gerecht werden zu können, lässt sich am Hamburger Stadtteil Billbrook erkennen.
Standortvorteile für die Logistik
Billbrooks zentrale Lage und direkte Anbindung garantieren kurze Wege und versprechen dadurch optimale logistische Bedingungen, weshalb der Stadtteil unteranderem im FMCG-Sektor der wichtigste Player der Hansestadt ist. Schon heute ist Billbrook neben dem Hafen einer der größten und wichtigsten Industriestandorte Hamburgs und auch über die „letzte Meile“ hinaus essenziell für die regionale Logistik. 675 Betriebe mit fast 10.000 Beschäftigten prägen das Stadtteilbild. Zu ihnen gehören internationale Player wie Darboven und Still, Thyssen-Krupp Fahrtreppen und der Weltmarktführer in industrieller Lasertechnik Rofin-Sinar. Auch flächenintensive Speditionen, Lagerei- und Versorgungsunternehmen wie der Otto Versand oder der Limonadenhersteller Fritz Kola nutzen die ortsbedingten Vorteile. Wie sehr eine enge Kooperation zwischen Unternehmen und Logistikdienstleistern gewünscht wird, zeigen unter anderem Projektentwicklungen wie die hochmoderne Kontraktlogistikfläche in der Bredowstraße 34, mit der voraussichtlich bis Ende 2023 über 25.000 m² Fläche an den Markt kommen werden.
Nur wenige Minuten davon entfernt, entsteht in der Berzeliusstraße zudem ein rund 7.500 m² großer Gewerbepark mit einer produktionsnahen Light Industrial Logistikimmobilie. Diese profitiert in zentraler Lage am östlichen Rand des Hamburger Bezirks Mitte sowohl von der Nähe zur Stadt als auch zum Hafen. Durch die breite Anbindung an die Wasserwege sowie an das Autobahn- und Zugnetz sind ideale Standortbedingungen für die Produktion und Lagerung gegeben.
Um – wie es im Hamburger Entwicklungskonzept heißt – „das Potenzial dieses wirtschaftsstarken und nachgefragten Industrie- und Gewerbestandorts besser zu nutzen, bestehende Unternehmen zu sichern, weitere wertschöpfungsstarke Unternehmen anzusiedeln und zugleich wichtigen öffentlichen Wegeverbindungen eine erlebbare Stadtqualität zu geben“, sollen die Hauptverkehrsadern zu sogenannte Industrieboulevards aufgewertet werden. Eine Maßnahme, die für Logistikunternehmen insbesondere im Bereich der Last Mile Logistik sowie aus dem FMCG-Sektor einen Anreiz schafft, sich langfristig in Billbrook niederzulassen.
Allgemeine Informationen rund um den Logistikimmobilienmarkt finden Sie in der Studie „Logistik und Immobilien 2021“

.jpg)