COVID-19 bescherte dem Markt für Flexible Workspaces eine beispiellose Feuertaufe. Von jetzt auf gleich schlossen viele Anbieter zeitweise ihre Standorte, einige sogar dauerhaft. Aber selbst die Büros, die der Pandemie trotzten und geöffnet blieben, wurden kaum noch frequentiert. Während die tatsächlichen Coworking-Aktivitäten im Wesentlichen auf Null sanken, wurde die Gesamtbelegung jedoch durch langfristige Mitgliedschaften unterstützt. Viele Betreiber reagierten schnell, indem sie wettbewerbsfähige Verlängerungspakete anboten und Open-Space- sowie Eventflächen vermehrt in Privatbüros umbauten. Zum Ende letzten Jahres erwarteten die Anbieter flexibler Büros so eine Auslastung von 74 %, damit lagen sie lediglich zehn Prozentpunkte unter dem Wert vor der Pandemie.
Dies kann auch als Zeichen gewertet werden, dass die Anbieter wieder mit steigender und sogar zusätzlicher Nachfrage rechnen. Die Konzepte sind dabei insbesondere für Unternehmen attraktiv, die einerseits – vor dem Hintergrund der sich wandelnden Arbeitsplatzkonzepte – flexible Büroflächen bevorzugen, anstatt sich auf einen neuen langfristigen Mietvertrag einzulassen. Andererseits können sie diese Angebote auch wahrnehmen, da ihre Mietverträge bald auslaufen oder sie eine Kündigungsoption besitzen. Zudem gibt es eine steigende Anzahl von Unternehmen, die ihr Portfolio mit flexiblen Flächen aufstocken möchten. All dies deutet auf eine größere Nachfrage hin. Hinzu kommt, dass die Pandemie den Durchbruch des räumlich flexiblen Arbeitens bedeutete. Zuvor nur von einer kleineren Zahl praktiziert, werden solche Modelle nun von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt adaptiert. Insbesondere am Stadtrand und auf dem Land ist mit einer zunehmenden Nachfrage nach flexiblen Arbeitsplätzen zu rechnen, da die Mitarbeiter näher an ihrem Zuhause arbeiten und eine gesunde Work-Life-Balance pflegen möchten. Viele Unternehmen reagieren auf diesen Trend bereits mit einer Hub-and-Spoke-Strategie, bei dem es neben einem zentralen Bürostandort (Hub) eine Reihe von Randbüros (Spoke) gibt. In einer Studie von Workthere vom Oktober letzten Jahres gaben 33 % der befragten Anbieter von Flexible Workspaces in Deutschland bereits an, dass Unternehmen vor allem Büroflächen in den städtischen Randlagen nachfragten – Tendenz steigend.
Auf diesen Trend reagieren auch neue Akteure am Markt. Aktuelles Beispiel: Die Deutsche Wohnen. Der Konzern glaubt an eine langfristige Veränderung von Arbeitsmodellen und will in einer leerstehenden Bankfiliale im Berliner Ortsteil Hellersdorf künftig wohnortnahe Coworking-Arbeitsplätze anbieten. Hotels haben ebenfalls begonnen, den Markt zu sondieren und bieten vermehrt flexible Flächen zum Arbeiten an. Etablierte Anbieter erfinden sich hingegen neu. Das Pilotprojekt von WeWork zur On-Demand-Buchung erwies sich beispielsweise als so erfolgreich, dass auch andere Anbieter damit begonnen haben, flexiblere Pakete mit Tagespässen anzubieten.
Nachdem der Flächenumsatz von Flexible Workspace Anbietern im Jahr 2020 nur rund 11 % des Vorjahresvolumens ausmachte, ist nun zu erwarten, dass diese zukünftig vom großen Bedarf an flexiblen Bürolösungen profitieren werden. Der jüngst verkündete Rekordstart in das Jahr 2021 von IWG, dem weltweit größten Workspace-Betreiber, mit mehr als einer halben Million neuer Nutzer innerhalb der ersten zwei Monate dürfte mehr als nur ein Fingerzeig für die Zukunft sein.
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Research Artikel
Wie entwickelt sich der Markt für Flexible Workspaces?
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