Nachfrageseitig ist der Sektor (gemessen an Google-Suchanfragen, siehe Abbildung oben) zumindest temporär um mehrere Jahre zurückgeworfen worden. Viele, vor allem kleinere Anbieter haben ihre Standorte geschlossen und selbst die noch geöffneten Büros werden kaum noch frequentiert. Nicht alle Anbieter werden über ein ausreichendes Liquiditätspolster verfügen, um diese Periode ohne Staatshilfe zu überstehen. Grundsätzlich gilt: Je weniger Großnutzer mit längerfristigen Verträgen zum Umsatz beitragen, desto unmittelbarer ist der Effekt auf den Umsatz des Anbieters. Auch Anbieter, deren Umsätze sehr stark an der Vermietung von Veranstaltungsflächen hängen, sind stärker betroffen.
Die größeren Anbieter reagieren auf unterschiedliche Weise, aber letztlich dürften alle versuchen, ihre Umsätze zu stabilisieren und ihre Kosten zu senken. Für Letzteres sind Kurzarbeit und Gespräche mit den Vermietern die Mittel der Wahl. Viel wird davon abhängen, wie kulant die Eigentümer sind. Auf der Umsatzseite suchen die Betreiber das Gespräch mit ihren Kunden und versuchen bestehende Verträge zu verlängern – gegebenenfalls zu günstigeren Konditionen. Da die Nachfrage nach Arbeitsplätzen in den Hotdesking-Bereichen sicherlich noch für längere Zeit geringer ausfallen wird, bereiten manchen Anbieter den Umbau dieser Bereiche sowie der Eventflächen in Privatbüros vor. Dies kann auch als Zeichen gewertet werden, dass die Anbieter mittelfristig wieder mit steigender und sogar zusätzlicher Nachfrage rechnen. Tatsächlich gibt es dafür auch auf der Nutzerseite Anzeichen. So sondieren manche Unternehmen den Markt nach Interims- und Ausweichflächen. Etwa dann, wenn ihr aktueller Mietvertrag demnächst ausläuft, sie aber aufgrund der unsicheren Geschäftslage keine langfristige Mietvertragsverpflichtung eingehen wollen. Oder dann, wenn eine bereits angemietete Fläche in einem Projekt nicht rechtzeitig bezugsfertig wird, die alte Fläche aber freigezogen werden muss. Ganz generell lässt sich vermuten, dass gerade in einer Phase hoher Unsicherheit, wie wir sie derzeit erleben, das Flexibilitätsbedürfnis der Nutzer steigt – möglicherweise dauerhaft. Hinzu kommt, dass die Remote-Working-Erfahrungen in den Unternehmen sicherlich nicht allesamt schlecht ausfallen werden. Insofern könnte sich die COVID-19-Pandemie langfristig als Wachstumskatalysator für Flexible Workspaces erweisen. Davor liegt jedoch eine Feuertaufe, der nicht alle Anbieter gewachsen sein werden.
Aufgrund der aktuell sehr dynamischen Situation und sich rasch ändernden Gegebenheiten möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die hier wiedergegebenen Einschätzungen dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung entsprechen und wir diese nicht aktualisieren.